
Trump und Xi: Wenn der Iran-Krieg die Wirtschaftsagenda erstickt
Was als historisches Gipfeltreffen zwischen den beiden mächtigsten Männern der Welt geplant war, droht zu einem geopolitischen Krisengipfel zu mutieren. Wenn US-Präsident Donald Trump am 14. und 15. Mai zu Chinas Staatschef Xi Jinping reist – die erste Visite eines amtierenden US-Präsidenten in der Volksrepublik seit 2017 – steht nicht etwa der Handelskrieg, die Zollfrage oder die heikle Versorgung mit Seltenen Erden im Mittelpunkt. Es ist der Iran-Krieg, der die gesamte Tagesordnung zu dominieren droht.
Wenn Bomben lauter sprechen als Verträge
US-Finanzminister Scott Bessent hat bereits unmissverständlich klargestellt, dass der Iran-Konflikt das beherrschende Thema der Gespräche sein werde. Peking hat in dieser Woche den iranischen Außenminister empfangen – das erste Mal seit Kriegsbeginn Ende Februar. Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung ließ kurzzeitig die Ölpreise fallen und die Aktienmärkte jubeln. Doch im Persischen Golf, genauer in der Straße von Hormus, fliegen erneut die Geschosse. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig. Ein chinesischer Öltanker wurde nach Berichten der staatsnahen Caixin getroffen – ein Vorfall, dessen volle Tragweite sich noch zeigen muss.
Das Schrumpfen der Wirtschaftsdelegation – ein politisches Signal
Bezeichnend ist, was in Washington offenbar hinter den Kulissen passiert: Die US-Regierung habe Chinas Einladung zu branchenspezifischen Treffen zwischen chinesischen Spitzenpolitikern und amerikanischen CEOs ausgeschlagen, so ein US-Manager mit direkter Kenntnis der Vorgänge. Der Grund? Man wolle nicht den Eindruck erwecken, amerikanische Unternehmen stünden Peking zu nah. Ein bemerkenswertes Eingeständnis dafür, wie sehr das politische Klima zwischen den beiden Wirtschaftsgiganten vergiftet ist.
Während Trump bei seinem Besuch in Saudi-Arabien im vergangenen Mai noch von über 30 US-Spitzenmanagern begleitet wurde und 2017 bei seinem ersten China-Besuch nahezu 30 Konzernchefs Verträge im Wert von mehr als 250 Milliarden Dollar unterzeichneten, könnte die Delegation diesmal halbiert werden. Eine ursprünglich vorgeschlagene Liste von rund zwei Dutzend Führungskräften könnte auf die Hälfte zusammenschrumpfen. Bestätigt sind bislang die CEOs von Boeing und Citigroup. Der amerikanische Flugzeugbauer hofft auf seine erste Großbestellung aus China seit fast einem Jahrzehnt.
Xi spielt die Zeit für sich
Während Trump erst jetzt nach Peking aufbricht, hat Xi Jinping in diesem Jahr bereits ein Dutzend Staatschefs empfangen – von Großbritannien bis Südkorea. Diese kamen in der Regel mit großen Wirtschaftsdelegationen im Schlepptau. Eine subtile Botschaft an Washington: Wir haben Alternativen. Scott Kennedy vom Washingtoner Think Tank CSIS bringt es auf den Punkt: Das Treffen werde höchstwahrscheinlich die Vorteile zementieren, die China im vergangenen Jahr errungen habe. Pekings Fokus liege auf Zöllen, dem Status Taiwans und den US-Beschränkungen für chinesischen Zugang zu Spitzentechnologie.
Seltene Erden – Pekings Trumpf in der Hinterhand
Besonders brisant bleibt die Frage der Seltenen Erden. China hat seine Exportkontrollen für diese strategisch unverzichtbaren Rohstoffe immer weiter verschärft. Wer dachte, der Westen könne sich aus dieser Abhängigkeit kurzfristig befreien, irrt gewaltig. Veränderungen in Pekings Exportpolitik wären weltweit zu spüren – nicht nur in den USA. Deutschland, das durch den industriepolitischen Schlingerkurs der vergangenen Jahre seine eigene Rohstoffsouveränität sträflich vernachlässigt hat, würde ebenfalls die Folgen direkt zu spüren bekommen. Eine bittere Lektion darüber, wie naiv der Westen die Globalisierung über Jahrzehnte zelebriert hat, während China systematisch strategische Engpässe für sich nutzbar machte.
Was bleibt von einem Gipfel im Schatten des Krieges?
Realistische Erwartungen sehen so aus: Trump dürfte Abkommen über chinesische Käufe von US-Sojabohnen und Boeing-Flugzeugen verkünden können. Auch über die Einrichtung bilateraler Handels- und Investitionsgremien, sogenannter „Boards", werde gesprochen. Doch die großen Würfe? Die strukturellen Lösungen für Zölle, Technologietransfer und Rohstoffsicherheit? Die dürften im Pulverdampf des Iran-Krieges untergehen.
Michael Hart, Präsident der amerikanischen Handelskammer in Peking, formuliert vorsichtig optimistisch, dass allein die Bilder von Trump und Xi gemeinsam ein Signal an die chinesische Wirtschaft senden könnten, dass Engagement mit US-Unternehmen wieder akzeptabler werde. Seit den US-Militäraktionen Anfang dieses Jahres hätten chinesische Beamte zögerlicher auf die amerikanische Geschäftswelt reagiert.
Was Anleger aus alldem mitnehmen sollten
Während Politiker auf großen Bühnen ihre Egos messen und Krieg, Sanktionen und Zölle zur neuen Normalität geworden sind, bleibt für den umsichtigen Bürger und Sparer die Frage: Wie schütze ich mein Vermögen in einer Welt, in der ein einziger Funke in der Straße von Hormus die Ölpreise explodieren und die Aktienmärkte ins Wanken bringen kann? Die Antwort ist so alt wie die Geschichte des Geldes selbst. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich in geopolitischen Krisenzeiten stets als verlässlicher Anker erwiesen – unabhängig davon, ob in Peking, Washington oder Teheran gerade die Säbel rasseln. Ein gesundes, breit gestreutes Portfolio gehört in diesen unsicheren Zeiten ein solider Edelmetallanteil zur Vermögenssicherung. Wer sich allein auf Aktien, Anleihen oder das Versprechen politischer Stabilität verlässt, lebt gefährlich.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen stellen ausschließlich die Meinung der Redaktion dar und sind weder als Anlageberatung noch als Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen. Wir betreiben keine Anlageberatung. Jeder Anleger muss seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich auf Basis eigener Recherche oder nach Konsultation eines unabhängigen Beraters treffen. Eine Haftung für Vermögensschäden, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen resultieren, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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