
Tanker-Treffer vor Hormus: Irans riskanter Poker in New York
Ein Öltanker wurde in der Straße von Hormus von einem unbekannten Projektil getroffen — genau in dem Moment, in dem sich die Delegation des iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian auf den Weg zur UN-Vollversammlung nach New York macht. Zwei Besatzungsmitglieder erlitten laut der britischen Behörde UKMTO leichte Verletzungen. Das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen.
Die Umstände seien bislang ungeklärt, teilte die UKMTO mit. Angesichts der offenbar begrenzten Schäden halten Beobachter eine kleine Drohne für möglich. Schiffe sollen die Meerenge nur mit größter Vorsicht passieren.
Eine Wasserstraße als Faustpfand
Die Botschaft dahinter dürfte auch ohne offiziellen Bekennerbrief ankommen: Teheran will zeigen, wer die Hand an der wichtigsten Öl-Schlagader der Welt hat. Durch die schmale Passage zwischen Iran und Oman fließt ein erheblicher Teil des weltweiten Rohöl- und Flüssiggashandels.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Bereits Ende August meldete die UKMTO einen Tanker, der rund zwölf Seemeilen nördlich des omanischen Khasab von einem Projektil getroffen wurde — damals ohne Verletzte. Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran läuft Medienberichten zufolge seit Ende Februar. Ein im Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen scheiterte binnen Wochen, danach kehrten die Blockade iranischer Häfen und die Sperrung der Meerenge zurück.
Ölmarkt feiert die Hoffnung — noch
Bemerkenswert ist die Reaktion der Märkte: Der Ölpreis fiel auf den tiefsten Stand seit elf Tagen. Der Grund ist nicht Entwarnung, sondern Erwartung — die Hoffnung auf Gespräche am Rande der UN-Vollversammlung.
"Es sieht danach aus, dass ein Teil der Risikoprämie aus den Ölpreisen genommen wird, weil auf einen diplomatischen Weg zur Deeskalation des US-iranischen Krieges in dieser Woche gehofft wird."
So beschreibt es der Chefanalyst Tim Waterer vom Broker KCM Trade. Zur Einordnung: Brent notiert nach Angaben von Finanzportalen weiter um die 100 Dollar je Barrel. Auf dem Höhepunkt der Krise waren es rund 126 Dollar. Von Entspannung kann also keine Rede sein — nur von etwas weniger Panik.
Trumps drei Optionen
Donald Trump zeigte sich in einem Fox-News-Interview am Sonntag erstmals offen für ein Treffen mit Pezeshkian — er wäre "wahrscheinlich offen" dafür. Gleichzeitig skizzierte er drei Wege: den Iran "auslöschen", ihn wirtschaftlich "verrotten" lassen oder eine Einigung erzielen.
Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, Irans Bedingungen für ein Kriegsende seien über Katar nach Washington übermittelt worden. Man warte auf Antwort. Ein US-Regionalkommandeur erklärte unterdessen, Öl- und Flüssiggastransporte durch Hormus hätten den höchsten Stand seit sechs Monaten erreicht — ein Erfolg der Marine-Eskorten und Minenräumung.
Aus Teheran kam am Wochenende dagegen eine unmissverständliche Warnung an die Verbündeten Washingtons in der Region: Wer sich an einem neuen Angriff beteilige, gelte als "mitschuldig", "Fehler" würden "schmerzhafte Angriffe" nach sich ziehen.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Für Verbraucher hierzulande ist diese Gemengelage brandgefährlich. Energie ist der Taktgeber der Inflation, und Deutschlands Industrie hängt an billiger, verlässlicher Energie — einer Illusion, die politische Entscheidungen der vergangenen Jahre aus Sicht vieler Kritiker mutwillig zerstört haben.
Dass Gold trotz fallender Ölpreise auf historisch hohem Niveau notiert, spricht Bände: Der Markt glaubt der Entspannungsstory nur halb. Physische Edelmetalle bleiben in einem solchen Umfeld eine bewährte Beimischung zur Absicherung von Vermögen.
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