Kostenlose Beratung
07930-2699
150.000
Kunden
Sicherer
Versand
Keine
Meldepflicht
Kettner Edelmetalle
Menü
07.08.2026
16:11 Uhr

Kulturkampf um Weihnachten: Wie ein AfD-Politiker die Republik in Aufregung versetzt

Es gibt Debatten, die verraten mehr über die Empörten als über die Beschuldigten. Die Auseinandersetzung um das Verhältnis von Christentum und vorchristlichem Brauchtum, die derzeit in Sachsen-Anhalt geführt wird, gehört zweifellos dazu. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, seine Partei betreibe eine antichristliche Agenda – und prompt setzte in Berlin das übliche Alarmgeheul ein.

„Versöhnlich sprechen“ statt Frontstellung

Tillschneider erklärte gegenüber einem katholisch geprägten Onlineportal, es sei falsch, heidnische Traditionen gegen das Christentum in Stellung zu bringen. Beide Strömungen hätten Deutschland geprägt, wobei das Christentum uns historisch ungleich näherstehe als das längst versunkene Heidentum. Über das Verhältnis beider Traditionen, so seine Position, müsse versöhnlich gesprochen werden. Das Christentum habe reichlich heidnisches Erbe aufgenommen – daraus sei ein „deutsches Christentum“ entstanden, das die Gestalt unseres Weges zu Gott bilde. Ausdrücklich stellte er klar, dass er damit keineswegs auf die sogenannten „Deutschen Christen“ der NS-Zeit anspiele.

Historisch ist an dieser Beobachtung nun wirklich nichts Skandalöses. Wer sich je mit der Christianisierung Mitteleuropas beschäftigt hat, weiß, dass die Kirche über Jahrhunderte hinweg klug genug war, die Menschen dort abzuholen, wo sie standen. Weihnachten liegt nicht zufällig in der dunkelsten Zeit des Jahres, der Weihnachtsbaum ist kein biblisches Requisit, und in unseren Märchen – man denke an Frau Holle – schimmern die alten Vorstellungswelten bis heute durch. An mittelalterlichen Sakralbauten finden sich neben Heiligenfiguren allerlei Symbole, die nicht aus Jerusalem stammen. Das ist keine Ideologie, sondern Kulturgeschichte.

Der Antrag, der alles auslöste

Auslöser der Debatte war ein Antrag aus dem Kreisverband Magdeburg beim Landesparteitag im April. Darin wurde dafür plädiert, die Brauchtumsfeste der Vorfahren wieder zu pflegen – Sonnenwend- und Mittsommerfeier, das Julfest. Dem Christentum wurde in dem Papier pauschal Schuldkult, Naturverachtung und die Diffamierung von Stolz als Sünde vorgeworfen. Tillschneider wies diese Position deutlich zurück: Es handle sich nicht um einen Flügel, sondern um eine völlig isolierte Einzelmeinung ohne jede Unterstützung im Landesverband. Zugleich räumte er ein, dass Sonnenwendfeiern im Sinne einer naturverbundenen Religiosität durchaus als Teil des Brauchtums gelten könnten.

Wer Sonnenwendfeuer für einen Angriff auf die Republik hält, hat noch nie ein friesisches Biikebrennen oder ein bayerisches Johannisfeuer erlebt – beides gelebtes, jahrhundertealtes Brauchtum, das niemanden stört.

Der Kulturstaatsminister zieht in den Krieg

Besonders bemerkenswert war die Reaktion aus dem Kanzleramt. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kündigte im Spiegel vollmundig an, notfalls persönlich nach Sachsen-Anhalt zu reisen, um Weihnachten zu verteidigen. Man führe dort einen Kulturkampf gegen die zentralen Werte der Republik, und diesen Kampf müsse man annehmen.

Man möchte fragen: Wo genau war dieser wehrhafte Verteidiger des christlichen Erbes eigentlich in den vergangenen Jahren? Als in Kindergärten und Schulen das Sankt-Martins-Fest in „Lichterfest“ umbenannt wurde, um niemanden zu befremden? Als Weihnachtsmärkte hinter Betonpollern und Polizeisperren stattfinden mussten, weil der Staat die Sicherheit seiner Bürger nicht mehr garantieren kann? Als Kirchen ihre Altäre mit Regenbogenfahnen behängten und den Pride Month feierlicher begingen als das Kirchenjahr? Ein Antrag eines einzelnen Kreisverbandes in Magdeburg genügt für die große Empörungskampagne – die schleichende Entkernung des christlichen Erbes im Alltag hingegen läuft seit Jahren weitgehend unkommentiert.

Rekordaustritte – und niemand fragt nach dem Warum

Die eigentliche Krise des Christentums in Deutschland findet nicht in Parteitagsanträgen statt, sondern in den Austrittszahlen. Millionen Menschen haben den Amtskirchen in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt. Nicht, weil ihnen das Julfest lieber wäre, sondern weil sie in den Predigten immer häufiger politische Talkshow-Rhetorik statt Theologie hören. Wer sonntags Verkehrspolitik, Migrationsmoral und Klimaethik erklärt bekommt, muss sich über leere Bänke nicht wundern.

Was von der Aufregung bleibt

Nüchtern betrachtet, hat Tillschneider das Gegenteil dessen gesagt, was ihm nun unterstellt wird: Er hat sich gegen die Abschaffung christlicher Feiertage positioniert und das Christentum als das dem heutigen Deutschland Nähere bezeichnet. Dass daraus binnen Stunden eine Bedrohung des Abendlandes konstruiert wird, sagt viel über den Zustand der politischen Debattenkultur in diesem Land. Wer jede historische Feststellung zur Volksfrömmigkeit sofort in die Nähe des Nationalsozialismus rückt, macht sich die Sache bequem – und schenkt den Nationalsozialisten nachträglich die Deutungshoheit über Traditionen, die Jahrhunderte älter sind als sie.

Ein souveränes Land könnte über sein kulturelles Erbe gelassen diskutieren. Deutschland kann das offenbar nicht. Und genau darin liegt das eigentliche Problem – nicht in einem Sonnenwendfeuer irgendwo in der Altmark.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt weder eine Rechts- noch eine Anlageberatung dar.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen