
Drohnen-Alarm am BER: Hauptstadt-Airport schon wieder lahmgelegt!
Am Mittwochabend hat eine Drohne den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) stillgelegt. Laut einer Flughafensprecherin wurde das Flugobjekt gegen 20 Uhr über der Nordbahn gesichtet. Um 20:20 Uhr wurde der Luftraum gesperrt. Mindestens 45 Minuten lang konnte kein Flugzeug starten oder landen.
Mehrere Maschinen mussten nach Dresden ausweichen, einzelnen Berichten zufolge auch nach Hannover. Um 21:05 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben. Danach lief der Betrieb wieder an, allerdings mit teils deutlichen Verspätungen. Wer die Drohne gesteuert hat und warum, ist bislang unklar.
Kein Einzelfall, sondern ein Muster
Wer glaubt, das sei ein ärgerlicher Zufall, sollte sich die Zahlen ansehen. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurden an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 166 Drohnen gemeldet. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 101.
Am häufigsten traf es ausgerechnet den BER: Mit 28 Sichtungen im ersten Halbjahr liegt er bundesweit vorn. Siebenmal musste der Flugverkehr unterbrochen werden. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2025 waren am Hauptstadtflughafen nur acht Sichtungen registriert worden. Frankfurt am Main folgt mit 27 Fällen knapp dahinter.
Für den starken Anstieg in Berlin gibt es laut DFS eine mögliche Erklärung. Die Bundespolizei habe dort ein neues Detektionssystem installiert, das Drohnen schneller und zuverlässiger erkenne. Das klingt beruhigend. Es heißt aber auch, dass solche Flugobjekte früher wohl oft einfach unbemerkt blieben.
Von München bis Leipzig: Die Einschläge kommen näher
Der Herbst 2025 hat gezeigt, wie verwundbar Deutschlands Luftverkehr ist. Anfang Oktober musste der Münchner Flughafen an zwei Abenden hintereinander den Betrieb einstellen. Tausende Passagiere schliefen auf Feldbetten in den Terminals. Ende Oktober stand dann auch der BER fast zwei Stunden still.
Noch beunruhigender ist ein Vorfall vom Sommer. Medienberichten zufolge wurde im August auf der Südpiste des Flughafens Leipzig/Halle eine Sprengstoffdrohne gefunden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lag sie in der Nähe einer ukrainischen Transportmaschine. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung. Spätestens hier ist aus einem lästigen Ärgernis eine Frage der nationalen Sicherheit geworden.
Was ein Stillstand kostet
Jede Minute ohne Starts und Landungen kostet Geld. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat für 2024 insgesamt 118 gemeldete Drohnen-Störfälle an deutschen Flughäfen ausgewertet. In neun davon wurde der Flugbetrieb komplett eingestellt, im Schnitt für 32 Minuten. Allein diese neun Fälle verursachten laut DLR einen Schaden von rund einer halben Million Euro.
Dabei sind verpasste Anschlussflüge, verlorene Arbeitszeit und genervte Familien im Urlaubsstress noch gar nicht mitgerechnet.
Erkennen allein reicht nicht
Ein Muster zieht sich durch fast alle Fälle: Die Drohnen werden entdeckt, der Luftraum wird gesperrt, die Polizei sucht – und die Täter bleiben verschwunden. Was nützt die beste Detektion, wenn am Ende niemand die Drohne vom Himmel holt oder den Piloten stellt?
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der neue Vorfall, dass die Politik viel zu lange nur reagiert hat. Seit Jahren streiten Bund, Länder, Bundespolizei und Bundeswehr über Zuständigkeiten, während Hobbypiloten, Saboteure oder womöglich staatliche Akteure den Luftraum ungestraft testen. Ein Industrieland, das seinen Hauptstadtflughafen nicht gegen ein paar Rotoren aus Kunststoff schützen kann, hat ein Problem mit seiner Wehrhaftigkeit.
Die Bürger haben ein Recht darauf, dass kritische Infrastruktur geschützt wird – und zwar wirksam, nicht erst nach dem nächsten Arbeitskreis. Der Mittwochabend am BER ist glimpflich ausgegangen. Ob das auch beim nächsten Mal so ist, weiß niemand.
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