
Deutschlands Industrie im freien Fall: Fast jedes dritte Unternehmen verliert den Anschluss an die Weltmärkte
Die Zahlen sind alarmierend, doch sie überraschen kaum noch jemanden, der die wirtschaftspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt hat. Knapp jedes dritte Industrieunternehmen in Deutschland beklagt einen spürbaren Rückgang seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Was das Münchner Ifo-Institut in seiner jüngsten Erhebung zu Tage fördert, ist nichts weniger als das Zeugnis eines schleichenden industriellen Niedergangs.
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Im Januar gaben 31,2 Prozent der befragten Industrieunternehmen an, gegenüber Konkurrenten außerhalb der Europäischen Union an Boden verloren zu haben. Selbst innerhalb Europas – wo Deutschland einst als unangefochtener Wirtschaftsmotor galt – sehen sich noch immer 17,2 Prozent der Betriebe im Hintertreffen. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, bringt es auf den Punkt: Der schleichende Verlust der Wettbewerbsfähigkeit setze sich ungebremst fort.
Nur wenige Unternehmen können überhaupt noch von einer Verbesserung ihrer Position auf den Weltmärkten berichten. Das sollte jeden wirtschaftspolitisch Verantwortlichen in diesem Land wachrütteln – tut es aber offenbar nicht.
Schlüsselindustrien besonders hart getroffen
Die Krise zieht sich quer durch nahezu alle Branchen, doch einige Sektoren trifft es besonders brutal. In der Metallerzeugung und -bearbeitung – dem Rückgrat jeder modernen Volkswirtschaft – berichten sage und schreibe 47 Prozent der Unternehmen von sinkender internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die chemische Industrie folgt mit 45 Prozent dicht dahinter. Und selbst der deutsche Maschinenbau, einst Aushängeschild der Ingenieurskunst, verzeichnet einen Anteil von rund 40 Prozent.
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass die industrielle Basis, auf der unser Wohlstand seit Generationen ruht, Stück für Stück erodiert. Während andere Nationen ihre Industrien mit günstiger Energie, schlanker Bürokratie und attraktiven Standortbedingungen locken, erstickt Deutschland seine Unternehmen in einem Dickicht aus Regulierungen, Abgaben und ideologisch motivierten Auflagen.
Ein kleiner Lichtblick mit großem Schatten
Einzig die Automobilbranche kann zumindest innerhalb Europas eine leichte Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition vermelden. Doch dieser vermeintliche Hoffnungsschimmer verblasst schnell, wenn man den Blick über die europäischen Grenzen hinaus richtet: Auf den Weltmärkten hat sich auch die Lage der deutschen Autobauer weiter verschlechtert. Die Konkurrenz aus China und den USA zieht davon, während hierzulande noch über Tempolimits und Verbrennerverbote debattiert wird.
Reformen als Gebot der Stunde – doch wer handelt?
Klaus Wohlrabe warnt eindringlich: „Deutschland droht mittelfristig den Anschluss zu verlieren." Seine Forderung nach tiefgreifenden Reformen ist richtig und überfällig. Doch die Frage bleibt: Wer in der aktuellen politischen Landschaft hat den Mut und die Weitsicht, diese Reformen auch tatsächlich anzupacken?
„Tiefgreifende Reformen sind das Gebot der Stunde."
Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar vollmundige Versprechen gemacht, doch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wird die strukturellen Probleme nicht lösen. Im Gegenteil: Neue Schulden belasten kommende Generationen, während die eigentlichen Ursachen der Misere – überbordende Energiekosten, erdrückende Bürokratie und eine verfehlte Industriepolitik – unangetastet bleiben.
Deutschland war einmal das Land der Tüftler, der Ingenieure, der Weltmarktführer. Wenn wir dieses Erbe nicht endgültig verspielen wollen, braucht es jetzt einen echten Kurswechsel. Die Zeit der Sonntagsreden ist vorbei.

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