
Bargeld und angekreuzte Zettel: Wahlkrimi um Schwedens Linke!
In Schweden ist gerade einmal eine Woche seit der Parlamentswahl vergangen, und schon steht das Ergebnis im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt im mittelschwedischen Borlänge wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs. Im Mittelpunkt steht der Wahlkampf von Mohamed Abdukardir Ali. Der 30-jährige Kandidat der Linkspartei war selbst in seiner eigenen Partei kaum bekannt und ist trotzdem in den Reichstag eingezogen.
Von Listenplatz neun direkt ins Parlament
Ali stand in der Provinz Dalarna auf Platz neun der Liste seiner Partei. Das klingt nach einem aussichtslosen Platz. Doch nach schwedischem Wahlrecht rückt nach vorn, wer mindestens fünf Prozent der Parteiwähler im Wahlkreis persönlich hinter sich bringt. Ali holte 648 Personenstimmen und zog damit an allen Kandidaten vor ihm vorbei.
Leidtragende ist Kajsa Fredholm. Die bisherige Abgeordnete ist die klimapolitische Sprecherin der Partei und kam auf lediglich 356 Stimmen. Wie ahnungslos die Parteibasis war, zeigt eine Aussage des örtlichen Fraktionschefs Matts Hammarqvist. Er soll gegenüber der Zeitung Expressen eingeräumt haben, er habe „nicht wirklich eine Ahnung“, wer der neue Abgeordnete sei. Schwedischen Medien zufolge war Ali erst seit etwa einem Jahr Parteimitglied.
Geldautomat, Stimmzettel, Fahrdienst zum Wahllokal
Hinter den Ermittlungen steckt eine Anzeige wegen „unzulässiger Einflussnahme bei der Stimmabgabe“. Sie ging am 1. September bei der Staatsanwaltschaft ein. Zunächst wurde das Verfahren mangels Beweisen eingestellt. Nachdem neue Hinweise eingegangen waren, nahmen die Ermittler es wieder auf. Staatsanwalt Oskar Edvardsson bestätigte dem Sender SVT die Anzeige. „Wahlbetrug“ sei wohl die einfachste Übersetzung, sagte er.
Was dann berichtet wird, klingt wie aus einem schlechten Krimi. Laut Aftonbladet soll auf Aufnahmen der Polizei eine Person zu sehen sein, die an einem Automaten Bargeld abhebt. Anschließend soll sie Geld und Stimmzettel an Wähler verteilt haben, auf denen Alis Name bereits angekreuzt war. Laut SVT soll die Polizei außerdem Fahrzeuge beobachtet haben, die Wähler zu den Wahllokalen und zurück brachten. Wofür das Geld gedacht war, ist nicht geklärt. Bislang wurde auch niemand förmlich als Verdächtiger benannt.
„Das ist vollkommen, vollkommen falsch. Ich habe das nicht getan. Ich kenne das Gesetz.“
So wies Ali die Vorwürfe gegenüber SVT zurück. Er sei schockiert und könne sich seinen Erfolg selbst nicht erklären. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Schulden, Einbürgerung und ein Geschäft mit Mogadischu
Nun rückt auch Alis Werdegang in den Blick. Medienberichten zufolge hatte die Migrationsbehörde ihm die Staatsbürgerschaft 2024 zunächst verweigert. Grund seien erhebliche Schulden gewesen: Die Behörde habe den gesetzlich geforderten „ehrenhaften Lebenswandel“ nicht als erfüllt angesehen. Erst im Februar 2026, wenige Monate vor der Wahl, wurde er eingebürgert.
Heikel sind auch seine Geschäfte. Über die Firma AfriTech Growth soll Ali versuchen, der somalischen Regierung ein digitales Identifikationssystem zu verkaufen, das auch bei Wahlen zum Einsatz kommen könnte. Der Auftrag soll bis zu 15 Millionen Kronen wert sein. Seine Geschäftspartnerin erklärte, das Projekt ruhe wegen des Mandats. Bisher habe die Firma keine Einnahmen erzielt. Ein Abgeordneter, der zugleich Geschäfte mit einer ausländischen Regierung anbahnt? Beobachter halten das mindestens für erklärungsbedürftig.
Auszeit statt Amtsantritt, und womöglich eine Wiederholungswahl
Die Linkspartei hat inzwischen reagiert. Wie schwedische Medien berichten, nimmt Ali eine Auszeit und wird sein Mandat zu Beginn der Legislaturperiode nicht antreten. Der frühere Parteichef Lars Ohly warnte dagegen vor Vorverurteilungen und brachte sogar eine Kampagne politischer Gegner ins Spiel. Ein Leitartikler der Zeitung Svenska Dagbladet bezeichnete den Umgang der Partei mit dem Kandidaten in einer Fernsehdebatte als „Sicherheitsrisiko“.
Politisch ist der Fall hochbrisant. Medienberichten zufolge verlor das bürgerlich-rechte Tidö-Bündnis die Wahl vom 13. September mit 173 zu 176 Mandaten. Bestätigt sich der Verdacht und hat er das Ergebnis in Dalarna beeinflusst, kann die Wahl angefochten werden. Der Wahlprüfungsausschuss könnte dann eine Wiederholung in dem betroffenen Gebiet anordnen. Bei einem so knappen Ausgang zählt jeder Sitz. Für viele Bürger ist das eine Mahnung, dass das Vertrauen in saubere Wahlen die Grundlage jeder Demokratie ist, auch außerhalb Schwedens.

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