
10 Milliarden weg: VW-Schock lässt den ganzen Dax abstürzen
Volkswagen hat am Freitag, den 18. September 2026, die Gewinnprognose für das laufende Jahr kassiert. Statt 4,0 bis 5,5 Prozent operativer Umsatzrendite soll nun höchstens noch ein einziges Prozent übrig bleiben. Die Aktie stürzte ab, riss die halbe deutsche Autobranche mit – und den Leitindex gleich dazu.
Der Kurs verlor im späten Handel 6,4 Prozent, zeitweise lag das Minus bei 7,5 Prozent. Mit 74,96 Euro notierten die Papiere laut Marktberichten so tief wie seit zwei Wochen nicht. Größter Dax-Verlierer: Wolfsburg.
Sechs Milliarden allein für Porsche
Laut Börsenmitteilung des Konzerns schrumpft der erwartete Gewinn um rund zehn Milliarden Euro. Größter Brocken: eine Wertberichtigung auf die Tochter Porsche. Deren mittel- und langfristige Bewertung falle nun zehn bis 15 Prozent niedriger aus – im Konzernergebnis schlägt das mit sechs Milliarden Euro zu Buche.
Hinzu kommen weitere rund zwei Milliarden Euro im zweiten Halbjahr: zusätzliche Restrukturierungskosten durch ausgeweitete Vorruhestandsregelungen, der angestrebte Verkauf des Werks Osnabrück und Abschreibungen auf das schwächelnde China-Geschäft.
Der Umsatz soll bei rund 315 Milliarden Euro landen. 2025 waren es noch 321,9 Milliarden – bei einer operativen Rendite von 2,8 Prozent. Ein Konzern dieser Größe, der aus jedem Euro Umsatz am Ende einen Cent Betriebsgewinn presst: Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Alarmsignal.
China bricht weg – und die E-Auto-Wette kostet Marge
VW selbst nennt eine „weitere Verschärfung des Marktumfelds, insbesondere in China, sowie eine beschleunigte Verschiebung der Nachfrage zugunsten batterieelektrischer Fahrzeuge“ als Belastung. Vor allem Audi und die Kernmarke VW blieben hinter den Erwartungen zurück.
Genau hier liegt der wunde Punkt. Bei Elektroautos verdienen deutsche Hersteller bekanntlich deutlich weniger als beim Verbrenner. Wenn Brüssel per Flottengrenzwert vorgibt, was gebaut werden darf, während chinesische Wettbewerber im eigenen Markt die Preise diktieren, wird aus industrieller Stärke schnell ein Margenproblem. Für viele Beobachter ist das die Rechnung einer Politik, die Technologie per Dekret auswählen wollte.
Zölle, Naher Osten – und ein Dax im Sinkflug
Der Konzern verweist zudem auf Unsicherheiten, die er gar nicht erst eingepreist hat: mögliche Folgen der Eskalation im Nahen Osten und die Zollsituation. Für Lieferungen in die USA gilt derzeit im Rahmen des EU-Abkommens ein Satz von 15 Prozent – Präsident Donald Trump hatte wiederholt mit höheren Aufschlägen gedroht.
Die Schockwelle blieb nicht bei VW. BMW, Continental und Mercedes-Benz verloren bis zu 4,8 Prozent, die Porsche AG im MDax 3,3 Prozent. Der Dax schloss 1,6 Prozent tiefer bei 25.304 Punkten, der Euro Stoxx 50 gab 1,4 Prozent nach. Medienberichten zufolge prüft Porsche überdies den Abbau von 4.000 weiteren Stellen.
Was Anleger daraus lernen können
Deutschlands wichtigste Industrie hängt an Energiepreisen, Bürokratie und politischen Vorgaben, auf die weder Vorstand noch Belegschaft Einfluss haben. Wer sein Vermögen einseitig an nur einen Wirtschaftszweig koppelt, spürt solche Tage schmerzhaft im Depot.
Physische Edelmetalle unterliegen keiner Quartalsprognose, keinem Flottengrenzwert und keinem Zollstreit. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben Gold und Silber deshalb ein nüchterner Stabilitätsanker.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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