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24.09.2026
06:14 Uhr

Zolllücke für China-Hybride: BYD jagt VW – und Merz prüft Strafzölle

Chinesische Autobauer erreichen in Europa einen Rekordanteil. Im August stammten laut dem Marktforscher Dataforce knapp zwölf Prozent aller Neuwagen auf dem Kontinent von chinesischen Marken. In Deutschland waren es 6,4 Prozent. Volkswagen verliert dagegen Kunden, und in Berlin wird Medienberichten zufolge über neue Zölle nachgedacht.

Die Offensive kommt über die Hintertür

Das eigentlich Brisante ist, wo Peking punktet. Nicht beim reinen Elektroauto, auf das Brüssel seit Ende 2024 Ausgleichszölle erhebt, sondern ausgerechnet bei Hybriden. Jedes vierte in Europa verkaufte Hybridauto trug im August eine chinesische Marke, bei Plug-in-Hybriden war es sogar etwa jedes dritte.

Die EU hat also die Haustür verriegelt und das Kellerfenster offen gelassen. Für diese Fahrzeuge gelten die zusätzlichen Abgaben nicht. Die Chinesen haben das offenbar schnell erkannt.

In Deutschland zeigt sich das deutlich: BYD ließ im August 5256 Neuwagen zu. Das ist fast fünfmal so viel wie im Vorjahresmonat. Die Zulassungen der Marke VW gingen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im selben Zeitraum um 14 Prozent zurück.

Ein Trend mit langem Anlauf

Ein Ausrutscher ist das nicht. Die Dataforce-Zahlen für Europa zeigen einen steilen Anstieg. Von Januar bis Juli kamen chinesische Marken auf folgende Anteile an den Neuzulassungen:

  • 2021: 0,6 Prozent
  • 2024: 3,1 Prozent
  • 2025: 5,6 Prozent
  • 2026: 8,7 Prozent

Auch die KBA-Daten für Deutschland zeigen nach oben: 1,7 Prozent im Jahr 2024, 2,4 Prozent im Jahr 2025 und 3,1 Prozent im ersten Quartal 2026. Direkt vergleichbar mit dem Augustwert sind diese Zahlen allerdings nicht. Die Zeiträume unterscheiden sich, und einzelne Marken werden teils anders zugeordnet.

Volkswagen bleibt mit 15,2 Prozent im August die stärkste Marke im Land. Von Januar bis August wurden laut KBA aber 5,7 Prozent weniger VW-Fahrzeuge neu zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Wie viele Käufer direkt zur Konkurrenz aus Fernost gewechselt sind, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Warum Käufer zum Hybrid greifen

Laut Dataforce stieg die Nachfrage nach Elektro- und Hybridautos im August zusammen um 27 Prozent. Der Gesamtmarkt legte um 4,6 Prozent zu. Hybride sprechen Berichten zufolge vor allem Kunden an, denen die Reichweite zu gering ist oder die dem Ladenetz nicht trauen. Viele Bürger zweifeln offenbar am politisch gewollten Umstieg auf das reine E-Auto.

BYD will das gezielt nutzen. Regionalchefin Maria Grazia Davino stellte im Interview mit einer Berliner Zeitung einen Hybrid als passendes Fahrzeug für Europa und Deutschland heraus. Die Technologie ihres Konzerns nannte sie im Vergleich mit anderen Herstellern „überlegen“. Mehr Modelle und ein größeres Händlernetz sollen folgen.

Merz vor einer schwierigen Entscheidung

Nach Bloomberg-Informationen prüft die Bundesregierung zusätzliche EU-Zölle auf in China gebaute Plug-in-Hybride. Beschlossen ist noch nichts. Fachleute warnen allerdings vor einem Schnellschuss. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research sagte:

„Friedrich Merz sollte nicht Donald Trump im Miniaturformat spielen.“

Das Risiko liegt auf der Hand. China ist für die deutschen Hersteller weiterhin ein wichtiger Absatzmarkt. Ein Handelsstreit könnte also am Ende die eigenen Konzerne treffen.

Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) weist darauf hin, dass die bestehenden Ausgleichszölle auf einer EU-Untersuchung zu Elektroautos beruhen. Ob Plug-in-Hybride ähnlich staatlich gefördert werden, müsse erst eigens geprüft werden. Sein Urteil fällt knapp aus: „Zölle können Zeit kaufen, aber keine Wettbewerbsfähigkeit.“

Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Berlin sieht vor allem die Verbraucher als Leidtragende. Günstige Modelle könnten vom Markt verschwinden. „Zölle haben den sehr unangenehmen Effekt, dass sie den Autokauf für die Bürger verteuern“, so Schwope.

Das eigentliche Problem liegt woanders

Aus Sicht unserer Redaktion lenkt die Zolldebatte vom Kern ab. Hohe Energiepreise, viel Bürokratie und Brüsseler Vorgaben belasten den Autostandort Deutschland seit Jahren. Neue Zölle ändern daran nichts. Sie verlagern die Kosten nur an die Verkaufstheke, also zu den Familien, die sich ein bezahlbares Auto wünschen.

Wenn Berlin VW wirklich helfen will, müssten sich die Bedingungen am Standort verbessern. Sonst gewinnt die Politik mit Zöllen nur Zeit, und die Rechnung zahlen die Kunden.

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