
Zins-Beben an der Wall Street: Rollt die nächste Bankenkrise an?
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in dieser Woche auf rund 5,12 Prozent gestiegen. So hoch lag sie zuletzt im Sommer 2007, kurz bevor die Weltfinanzkrise losbrach. Warnende Stimmen fürchten jetzt, dass in den Bankbilanzen erneut gewaltige Verluste schlummern, die nur niemand sehen will.
Ein Ausverkauf mit Ansage
Den Anstoß gab eine enttäuschende Auktion. Medienberichten zufolge fand das US-Finanzministerium für fünfjährige Anleihen über 70 Milliarden Dollar nur schwache Nachfrage. Es musste die höchste Rendite seit Juni 2006 bieten. Am Anleihemarkt folgte prompt der Ausverkauf.
Dazu kommen solide Konjunkturdaten, hartnäckige Inflationssorgen und ein Ölpreis von über 90 Dollar je Barrel, weil die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran weiter in der Schwebe hängen. Die US-Notenbank hat die Zinsen erst vergangene Woche angehoben. Die Märkte rechnen laut Marktdaten mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einem weiteren Schritt im Oktober.
Schuldenberg trifft Zinswende
Schätzungen zufolge sitzt der Planet auf Schulden von rund 350 Billionen Dollar. Jeder Zehntelpunkt mehr Zins frisst sich da tief in die Haushalte. Neue Schulden werden teurer und alte müssen zu schlechteren Konditionen refinanziert werden. So bleibt immer weniger Geld für alles andere übrig.
Das betrifft längst nicht nur Washington. Auch Berlin hat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen gerade einen gewaltigen neuen Kreditrahmen aufgespannt, und das gegen frühere Versprechen von Kanzler Merz. Steigende Zinsen machen diese Rechnung für die Steuerzahler von morgen noch bitterer.
Der Trick mit der Fälligkeit
Kritiker sehen die eigentliche Gefahr in den Bilanzen der Banken. Dort stehen Kredite und Anleihen im Milliardenwert, die in der Niedrigzinsphase entstanden sind. Steigen die Marktzinsen, verlieren diese Papiere an Wert. Das ist schlichte Anleihe-Mathematik.
Doch viele dieser Verluste tauchen gar nicht auf. Die Banken können Wertpapiere als „Hold to Maturity“ verbuchen, also als Papiere, die sie bis zur Fälligkeit halten wollen. Diese werden dann nicht zum aktuellen Marktpreis bewertet. Das ist völlig legal. Beobachter sehen darin trotzdem eine Methode, mit der sich die Bilanzen schönrechnen lassen. Die Verluste gibt es trotzdem, sie tauchen nur nicht in den Büchern auf.
Die Lehre aus dem Silicon Valley
Die Silicon Valley Bank zeigte im März 2023, wie schnell das kippen kann. Sie hielt vor allem als sicher geltende Staatsanleihen und Hypothekenpapiere. Als die Kunden ihr Geld abzogen, musste sie Wertpapiere mit Verlust verkaufen. Plötzlich wurden die Buchverluste real. Nach rund 48 Stunden war die Bank am Ende.
Ruhe vor dem Sturm?
Die US-Einlagensicherung FDIC gibt sich offiziell gelassen. Laut ihrem jüngsten Quartalsbericht stehen die Banken mit starkem Kapital und reichlich Liquidität da und haben zuletzt sogar mehr verdient. Im selben Bericht räumt die Behörde allerdings ein, dass die nicht realisierten Verluste „erhöht“ bleiben. Und das war noch vor dem jüngsten Zinssprung.
Damit stecken die Notenbanken in einer Zwickmühle. Wer die Inflation bekämpfen will, muss die Zinsen hoch halten. Wer die Banken schonen will, müsste sie senken und notfalls die Notenpresse anwerfen. Beides zugleich geht nicht. Ob daraus eine Krise wie 2008 wird, weiß heute niemand. Unmöglich ist sie aber nicht mehr.
Was Sparer daraus lernen können
Wenn schon „sichere“ Staatsanleihen eine Bank zu Fall bringen können, ist das eine Warnung. Vermögen, das allein aus Versprechen anderer besteht, ist verwundbar. Gold und Silber dagegen sind nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners abhängig. Gold kostet derzeit rund 4.300 Dollar je Unze. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können physische Edelmetalle ein sinnvoller Baustein zur Vermögenssicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
- Themen:
- #Banken
- #FED
- #Insolvenzen
- #Sparen
- #Aktien

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik










