
Windkraft-Schock: Projekte platzen reihenweise – der Kater kommt
Erst Euphorie, dann Ernüchterung: In Deutschland werden 2026 immer mehr Wind- und Solarprojekte gestoppt, beerdigt oder komplett neu durchgerechnet. Im September zog der Projektierer ABO Energy beim Windpark Märkerwald-Dierdorf die Notbremse – acht Anlagen mit zusammen 54,4 Megawatt. Sogar den bereits laufenden Genehmigungsantrag nahm das Unternehmen zurück.
Wenn der Wettbewerb die Rendite auffrisst
Der Grund liegt in nüchternen Zahlen. Bei der Ausschreibung für Wind an Land zum Gebotstermin 1. Mai 2026 trafen laut Bundesnetzagentur Gebote über 6.409 Megawatt auf ein Volumen von rund 2.500 Megawatt. Ergebnis: Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert fiel auf 5,06 Cent je Kilowattstunde.
Ein Jahr zuvor waren es noch 6,83 Cent – ein Minus von gut 26 Prozent. Branchendienste sprechen vom niedrigsten Durchschnittswert seit Februar 2018. Zum Vergleich: Der zulässige Höchstwert für 2026 liegt bei 7,25 Cent.
Für Stromkunden klingt das zunächst nach guter Nachricht. Doch Pachten, Zinsen, Netzanschluss und Erschließung sinken nicht mit. Wer zu 5 Cent kalkulieren muss, für den rechnet sich mancher mittelmäßige Standort schlicht nicht mehr.
Baden-Württemberg, Hessen, NRW: Die Liste wird länger
Märkerwald-Dierdorf ist kein Einzelfall. In Renningen wurden die Planungen gestoppt, das Verfahren für Öhningen mit bis zu 35 Megawatt ruht. Andernorts geraten Anlagenzahl, Technik, Baukosten – und sogar die Pachten der Grundstückseigentümer – unter den Rotstift.
Auch die Sonne schützt vor Fehlkalkulation nicht. Statkraft stellte im Mai die Planung eines Solarparks mit Batteriespeicher in Niederlauken im Hochtaunuskreis ein. Vorgesehen waren bis zu 43 Hektar und rund 57 Megawatt Spitzenleistung – die Gemeinde begrenzte die Fläche jedoch auf zehn Hektar, das eigene Umspannwerk hätte der Konzern trotzdem finanzieren müssen.
Im nordrhein-westfälischen Morsbach gaben RheinEnergie und AggerEnergie im April den geplanten Solarpark Asbachtal auf, nachdem der Gemeinderat die Fläche deutlich verkleinert hatte. Ohne Skaleneffekte kippt die Kalkulation.
Der Solarboom sägt am eigenen Ast
Hinzu kommt ein Effekt, den die Ausbauplanung jahrelang gern ausgeblendet hat: Je mehr Photovoltaik ans Netz geht, desto stärker drückt sie ausgerechnet in den sonnigsten Stunden die Börsenpreise. Einem Bericht von Reuters vom Juli zufolge sind die sogenannten Capture Rates von Solarparks in Teilen Europas gegenüber 2023 im Schnitt um bis zu 42 Prozent gefallen.
Im Klartext: Erzeuger bekommen deutlich weniger, als der durchschnittliche Marktpreis vermuten lässt. Negative Strompreise und Abregelungen häufen sich. Batteriespeicher werden damit vom netten Zusatzgeschäft zur Überlebensbedingung.
Politik kann Ziele beschließen – keine Rendite
Das Ende der Erneuerbaren ist das nicht; viele Projekte laufen weiter und verdienen Geld. Aber die Branche verlässt ihre Komfortzone. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier das Grundproblem einer Politik, die Megawatt-Ziele wie betriebswirtschaftliche Gewissheiten behandelt.
Genehmigte Megawatt sind eben keine gebauten Megawatt. Flächen lassen sich ausweisen, Ausschreibungsvolumina erhöhen, Ziele ins Gesetz schreiben. Eine Regel bleibt davon unberührt: Passen Erlöse und Kosten dauerhaft nicht zusammen, wird nicht gebaut.
Für Bürger, die Energiewende und Sondervermögen über Preise und Abgaben mitfinanzieren, ist das eine unbequeme Lektion. Wer sein Vermögen gegen politisch getriebene Fehlallokationen absichern will, setzt traditionell auch auf Substanz – physische Edelmetalle etwa können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur Vermögenssicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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