
„Spektrum“-Aussage zu Vergewaltigung: Grünen-Politiker unter Beschuss
Ein kurzer Interview-Ausschnitt bringt Schottland derzeit in Aufruhr. Darin bezeichnet der Abgeordnete der Scottish Greens, Q Manivannan, Vergewaltigung als ein „Spektrum“. Mehrere englischsprachige Medien, darunter der Telegraph, berichten über den Vorgang – in den sozialen Netzwerken kursiert der Clip seit Tagen.
Was in dem Video gesagt wurde
Manivannan argumentiert dem Bericht zufolge, die „Dämonisierung der Vergewaltigung“ führe zu einem vereinfachten Bild vom Täter. Die Tat hänge von unterschiedlichen „Kontexten“ ab. Schließlich könne sie von jedem begangen werden – auch von Frauen.
Es sind Sätze, die in wenigen Sekunden das zerlegen, was Generationen von Juristinnen, Ärzten und Opferschutzverbänden mühsam aufgebaut haben: die klare, unmissverständliche Ächtung einer der schwersten Straftaten überhaupt. Wer ein Verbrechen zum „Spektrum“ erklärt, öffnet die Tür zur Relativierung – so jedenfalls lesen es viele Kritiker.
Empörung quer durch das politische Lager
Die schottische Konservative Rachael Hamilton zeigte sich fassungslos. Sie sei entsetzt gewesen, als sie gehört habe, wie das Leid von Millionen Frauen verharmlost worden sei, die unter räuberischen Männern gelitten hätten, wird sie zitiert. Die Grünen sollten klarstellen, dass sie eine Theorie vom „Spektrum der Vergewaltigung“ nicht unterstützten.
Auch die Labour-Abgeordnete Tracy Gilbert erklärte, sie sei „alarmiert“. Reform UK geht noch weiter und fordert Berichten zufolge den Fraktionsausschluss wegen der als „abscheulich“ bezeichneten Äußerungen.
„Ich war entsetzt, als ich hörte, wie diese Person das Leid von Millionen von Frauen verharmloste, die unter räuberischen Männern gelitten haben“ – Rachael Hamilton, Schottische Konservative.
Der Abgeordnete verteidigt sich
Manivannan selbst weist die Kritik zurück. Der Ausschnitt sei aus dem Zusammenhang eines deutlich längeren Interviews gerissen worden, heißt es. Gemeint gewesen sei, dass nicht alle Täter einem Stereotyp entsprächen.
Und weiter: Mit dem Begriff „Spektrum“ habe darauf hingewiesen werden sollen, dass Gesetze Vergewaltigung und sexuelle Gewalt oft eng definierten – wodurch solche Taten häufig folgenlos blieben. Ob diese Erklärung die Wogen glättet, ist offen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Schaden längst da.
Ein Mandat auf Studentenvisum
Pikant ist auch die persönliche Situation des Abgeordneten. Manivannan ist nach eigenen Angaben nicht-binär und identifiziert sich als Frau, wurde in Indien geboren und verfügt aktuell lediglich über ein Studentenvisum, das Ende dieses Jahres ausläuft. Für die gesamte Legislaturperiode wurde ein fünfjähriges Visum für „globale Talente“ beantragt.
Aus Sicht unserer Redaktion wirft der Fall eine Frage auf, die weit über Schottland hinausreicht: Wie viel Relativierung verträgt eine Gesellschaft, die den Opferschutz ernst nimmt? Wer sexuelle Gewalt sprachlich in Graustufen auflöst, riskiert, dass die Grenze zwischen Recht und Unrecht verschwimmt – und ausgerechnet jene den Preis zahlen, die ohnehin am wenigsten Schutz genießen.
Warum das auch hierzulande interessiert
In Deutschland wird über innere Sicherheit so intensiv gestritten wie seit Jahrzehnten nicht. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist Rekordwerte aus, Messerangriffe nehmen zu. Für viele Bürger ist deshalb klar: Debatten über Begriffsnuancen helfen niemandem – nötig sind konsequente Strafverfolgung, klare Gesetze und ein Staat, der Opfer schützt statt Täterbilder zu „kontextualisieren“.
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