
Schlaflos in New York: Baerbock schlägt nach AfD-Triumph Alarm
Annalena Baerbock meldet sich aus New York zu Wort, und ihr Thema ist die deutsche Heimat. Die frühere Außenministerin und scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung hat der deutschen Ausgabe des Musikmagazins Rolling Stone ein Interview gegeben. Darin zeigt sie sich tief besorgt über die jüngsten Wahlerfolge der AfD. Vorab veröffentlichten Welt und Bunte Auszüge, das komplette Gespräch erscheint am Freitag.
Große Worte aus sicherer Entfernung
Ihre Sätze sind drastisch. Wörtlich sagte Baerbock dem Magazin:
„Dass in Teilen unseres Landes Rechtsextremisten der AfD stärkste Kraft sind, kann niemanden, der seine Heimat, unsere Freiheit und Demokratie liebt, ruhig schlafen lassen.“
Dabei spiele es keine Rolle, wie weit man entfernt sei, fügte sie hinzu. Ausgerechnet eine Grüne beruft sich also auf die Heimatliebe. Viele Bürger dürften sich verwundert die Augen reiben. Jahrelang galt der Begriff im grünen Milieu eher als verdächtig.
Den Hintergrund liefern die Zahlen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September kam die AfD nach dem amtlichen Endergebnis auf 43,8 Prozent, die CDU nur auf 17,2 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern holte die AfD am 20. September laut vorläufigem Ergebnis 38,2 Prozent und wurde auch dort stärkste Kraft. Die CDU scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Für die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz ist das eine historische Blamage.
Wer trägt die Verantwortung?
An dieser Stelle wird Baerbocks Mahnung heikel. Die Wähler haben ihre Stimme nicht aus einer Laune heraus abgegeben. Sie reagieren auf Jahre der Politik aus Berlin: steigende Energiepreise, ungesteuerte Migration, eine schwächelnde Wirtschaft und ein Gefühl, dass die Hauptstadt die Sorgen der Menschen nicht mehr ernst nimmt. An vielen dieser Entscheidungen waren die Grünen in der Ampel-Regierung maßgeblich beteiligt.
Kritiker halten es deshalb für bemerkenswert, dass gerade die frühere Außenministerin nun vor den Folgen warnt. Sie muss sich um diese Folgen im politischen Alltag ohnehin nicht mehr kümmern. Unklar bleibt, warum ihre Sorge nicht auch den Wählern gilt, die sich von den etablierten Parteien abgewandt haben.
Neuer Job an der Columbia University
Beruflich geht es für Baerbock in den USA weiter. Sie wird Professorin an der renommierten Columbia University in New York. Laut Table.Briefings ist die Stelle auf drei Jahre befristet. Die Professur soll sich an der Berufspraxis orientieren und nicht an der Forschung. Den Berichten zufolge übernimmt sie einen Posten im Bereich Global Leadership und wird Co-Direktorin des Masterstudiengangs „Master of Public Administration in Global Leadership“.
Mit den Studenten wolle sie das teilen, „was ich bei den UN in diesen stürmischen geopolitischen Zeiten erlebt habe“, sagte sie dem Rolling Stone.
Umstrittene Bilanz bei den Vereinten Nationen
Diese Zeit war allerdings nicht ohne Streit. Beobachter kritisierten ihre teils inszeniert wirkenden Auftritte auf Instagram. Schwerer wog ein diplomatischer Konflikt: Bei der Suche nach dem nächsten UN-Generalsekretär hatte Baerbock eine Debatte der Kandidaten angestoßen. Danach forderte sie den Sicherheitsrat auf, nur die Kandidaten zu berücksichtigen, die daran teilgenommen hatten. Die USA und Russland warfen ihr daraufhin vor, ihre Kompetenzen zu überschreiten. Dass ausgerechnet Washington und Moskau hier einer Meinung waren, zeigt, wie groß der Ärger war.
Anonymität, Töchter und Rahmspinat
Privat klingt Baerbock ungewohnt nachdenklich. Künftig sollten wieder ihre beiden Töchter an erster Stelle stehen und nicht mehr die Arbeit. Ohne das Leben als Spitzenpolitikerin hätten die Kinder vermutlich eine ruhigere Kindheit gehabt, räumte sie ein. Beklagen wolle sie sich aber nicht, denn es sei eine bewusste Entscheidung gewesen.
Im Herzen sei sie ein Dorfkind geblieben. Die Anonymität einer Millionenstadt tue ihr gerade „saugut“, weil sie dort nicht ständig beobachtet und bewertet werde. Aus der Heimat vermisse sie vor allem deutsches Essen, besonders „Iglo-Rahmspinat für Kartoffeln und Spiegelei“. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt sie nicht aus.
Offen bleibt, ob die Wähler in Magdeburg und Schwerin ihre Warnungen aus Manhattan noch erreichen.

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