
Putins Wahl im Drohnenhagel: 57,5 Prozent – und Moskau brennt
Russland hat am Sonntag ein neues Parlament gewählt – und der Sieger stand faktisch schon vor dem ersten Kreuz fest. Nach Teilergebnissen lag die Kremlpartei Einiges Russland bei 57,5 Prozent. Während in Moskau ausgezählt wurde, stiegen über einer Raffinerie am Stadtrand Rauchsäulen auf: Die Ukraine hatte die nach Angaben der staatlichen Agentur TASS größte Drohnenattacke seit Kriegsbeginn gestartet.
Eine Wahl, die keine Wahl war
Es war die erste Duma-Wahl seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022. Präsident Wladimir Putin hatte sie zum Stimmungstest über den Krieg erklärt. Kritiker halten dem entgegen, dass echter Widerspruch in diesem System gar nicht erst zugelassen werde.
Die übrigen Parteien – Kommunisten, die ultranationalistische LDPR, Neue Leute und Gerechtes Russland – landeten weit abgeschlagen, ziehen aber ins Unterhaus ein. In allen wichtigen Fragen stimmen sie ohnehin mit der Regierungspartei. Zum Vergleich: 2021 kam Einiges Russland offiziell auf knapp 50 Prozent. Der Zuwachs dürfte im Kreml als Bestätigung verkauft werden.
Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats und früherer Präsident, erklärte umgehend, seine Partei habe sich würdig geschlagen – die Russen hätten ihr das Regieren weiter anvertraut.
Drohnen, Tote, Cyberangriffe
Der Wahlsonntag wurde zum Kriegstag. Hunderte Drohnen flogen auf Moskau und andere Regionen. In der Region Moskau starben nach offiziellen Angaben drei Menschen, zwei weitere im russisch besetzten Teil der Region Cherson – darunter ein Wahlhelfer. Eine Anlage der Moskauer Ölraffinerie wurde beschädigt.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach auf Telegram von einem beispiellosen Angriff:
„Der größte Angriff feindlicher Drohnen wurde abgewehrt. Dieser beispiellose Angriff war eindeutig mit dem Ziel geplant, die Wahlen zu stören. Der Feind hatte keinen Erfolg.“
Das russische Verteidigungsministerium meldete, binnen 24 Stunden fast 2.000 Drohnen und acht Marschflugkörper abgefangen zu haben, darunter Raketen des ukrainischen Typs „Flamingo“. Man werde die eigenen Schläge verschärfen. Die Wahlbehörde berichtete zudem von Wellen von Cyberangriffen, der Ablauf sei dennoch weitgehend störungsfrei gewesen.
Leere Stimmzettel als letzter Protest
Die meisten Antikriegskandidaten waren gar nicht zugelassen. Wer für die liberale Jabloko-Partei antrat, fürchtete nach eigenen Angaben um die eigene Freiheit – kurz vor der Wahl hatten Gerichte zwei führende Parteivertreter wegen Äußerungen zum Krieg zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Diskreditierung der Armee ist in Russland ein Straftatbestand mit drakonischem Strafrahmen.
Jabloko-Chef Nikolai Rybakow machte seinen Stimmzettel demonstrativ ungültig und schrieb „Für den Frieden“ darauf. Die Exil-Opposition hatte dazu aufgerufen, sich um Punkt zwölf Uhr vor den Wahllokalen anzustellen – mancherorts bildeten sich lange Schlangen. Die Wahlbeteiligung lag am frühen Abend bei rund 57 Prozent.
Was das für Europa bedeutet
Kiew, das unter Kriegsrecht selbst nicht wählen lässt, nennt den Urnengang eine „Pseudowahl“. Eine Berliner Denkfabrik sieht laut dem Bericht dennoch Risiken für den Kreml: Wirtschaftlicher Druck und aufgestaute Frustration könnten Stimmen zu den geduldeten Oppositionsparteien tragen.
Für Anleger in Deutschland zählt vor allem eines: Der Krieg geht ins fünfte Jahr, ein Ende ist nicht erkennbar. Geopolitische Dauerkonflikte, Sanktionen und Energiepreisrisiken bleiben damit ein Faktor, der Sachwerte – allen voran physisches Gold und Silber – als Stabilitätsanker in einem breit gestreuten Vermögen interessant macht.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











