
Pekings große Säuberung: Xi Jinping räumt die Militärspitze aus
Was sich derzeit hinter den Mauern der chinesischen Machtzentrale abspielt, lässt selbst erfahrene Beobachter aufhorchen. Staatspräsident Xi Jinping hat in einem beispiellosen Kraftakt nahezu die gesamte militärische Führungselite der Volksbefreiungsarmee ausgetauscht. Eine Analyse der New York Times auf Basis chinesischer Staatsmedien offenbart das Ausmaß dessen, was man nur als systematische Säuberung bezeichnen kann.
Ein einziger General überlebt den Kahlschlag
Von den Mitgliedern der Zentralen Militärkommission, die noch 2023 geschlossen hinter dem Staatspräsidenten standen, ist nur noch ein einziger General im Amt verblieben: Zhang Shengmin, ausgerechnet der Mann, der für politische Disziplin und Antikorruptionsmaßnahmen zuständig ist. Die Ironie dieser Konstellation dürfte selbst in Peking nicht unbemerkt geblieben sein.
Der jüngste und wohl spektakulärste Fall betrifft General Zhang Youxia, Xis obersten Militärführer, der Ende Januar 2026 unter Ermittlung gestellt wurde. Damit verliert die Militärkommission ihre wichtigsten operativen Planer – ein Vorgang, der in westlichen Demokratien undenkbar wäre und selbst für chinesische Verhältnisse außergewöhnlich erscheint.
Strategische Kommandos im Chaos
Die personellen Verwerfungen erstrecken sich weit über die Kommissionsspitze hinaus. Von mindestens 30 Generälen und Admirälen, die Anfang 2023 noch spezialisierte Abteilungen und Theaterkommandos leiteten, sind nach Erkenntnissen der amerikanischen Zeitung nur noch sieben in aktiven Positionen erkennbar. Viele wurden offiziell entlassen, andere sind schlicht aus der Öffentlichkeit verschwunden – ein beunruhigendes Muster, das an dunklere Kapitel der Geschichte erinnert.
Besonders brisant: Das Östliche Kommando, das für mögliche Operationen rund um Taiwan zuständig wäre, ist von den Umwälzungen massiv betroffen. Xi ernannte erst kürzlich einen neuen Kommandeur für diese strategisch zentrale Region. Auch die Raketentruppen, die Chinas Nuklear- und konventionelle Raketenarsenale kontrollieren, sowie die Marine wurden von der Entlassungswelle erfasst. Zahlreiche Positionen sind derzeit unbesetzt oder mit Generälen besetzt, die erst seit wenigen Monaten im Amt sind.
Offizielle Propaganda versucht zu beschwichtigen
Die offizielle Zeitung der chinesischen Streitkräfte forderte Offiziere und Soldaten auf, die Entscheidungen zu unterstützen und sich hinter Xi zu stellen. Gleichzeitig räumte das Blatt ein, dass die Entlassungen „kurzfristige Härten und Schmerzen" verursachten. Langfristig werde jedoch eine noch stärkere Armee entstehen – so zumindest die offizielle Darstellung, die man getrost als Durchhalteparole interpretieren darf.
Machtsicherung vor dem Parteitag 2027
Der 72-jährige Xi strebt 2027 eine vierte Amtszeit als Generalsekretär der Kommunistischen Partei an. Bis dahin muss er eine neue Generation vertrauenswürdiger Generäle aufbauen – Männer, die ihm persönlich verpflichtet sind und keine eigene Machtbasis entwickeln können. Die aktuelle Säuberungswelle erscheint vor diesem Hintergrund als kalkulierter Schachzug eines Autokraten, der keine Konkurrenz duldet.
Die Frage, die sich westliche Beobachter stellen müssen: Schwächt dieser radikale Umbau Chinas militärische Schlagkraft kurzfristig – oder schafft Xi damit die Grundlage für eine noch gefährlichere, weil bedingungslos loyale Streitmacht?
Für Europa und insbesondere Deutschland sollten diese Entwicklungen ein Weckruf sein. Während man sich hierzulande mit ideologischen Grabenkämpfen und einer maroden Bundeswehr beschäftigt, baut China seine militärischen Strukturen radikal um. Die geopolitischen Verschiebungen, die sich derzeit vollziehen, werden die Weltordnung der kommenden Jahrzehnte prägen – ob wir darauf vorbereitet sind oder nicht.

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