
Olympia-Träume des Hamburger Senats zerschellen an der Realität
Es ist ein Déjà-vu der besonderen Art: Bereits 2015 erteilten die Hamburger einer olympischen Bewerbung eine klare Absage. Nun wagt der rot-grüne Senat einen erneuten Anlauf – und stößt abermals auf eine Mauer der Ablehnung. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des NDR zeichnet ein ernüchterndes Bild für die Olympia-Enthusiasten an der Elbe.
Mehrheit der Hamburger sagt „Nein, danke"
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 50 Prozent der Befragten bewerten die Olympia-Bewerbung Hamburgs als „eher schlecht". Lediglich 41 Prozent können dem Vorhaben etwas Positives abgewinnen. Gut zwei Monate vor dem entscheidenden Referendum am 31. Mai dürfte diese Nachricht im Rathaus für lange Gesichter sorgen. Denn Hamburg schneidet damit unter allen deutschen Mitbewerberstädten am schlechtesten ab – ein Armutszeugnis für die politische Überzeugungsarbeit des Senats.
Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen befürworteten im Februar satte 57 Prozent eine Bewerbung. In München sprachen sich bei einem Referendum im vergangenen Oktober sogar mehr als 66 Prozent der Bürger dafür aus. Selbst im notorisch skeptischen Berlin lagen die Befürworter mit 46 zu 43 Prozent vorn. Hamburg bildet das Schlusslicht – und das nicht knapp.
Kosten als Hauptargument der Skeptiker
Was treibt die Hamburger um? Die Antwort ist so simpel wie nachvollziehbar: das Geld. 79 Prozent der Olympia-Skeptiker nennen die befürchteten horrenden Kosten als Hauptgrund ihrer Ablehnung. In Zeiten, in denen der deutsche Steuerzahler ohnehin bis zum Anschlag belastet wird – man denke nur an das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung –, erscheint ein milliardenschweres Sportspektakel vielen Bürgern als blanker Hohn.
Und die Sorgen gehen weit über die reine Kostenfrage hinaus. 46 Prozent der Kritiker befürchten den Bau unnötiger Infrastruktur, 41 Prozent warnen vor Übertourismus und Verkehrschaos, ein gutes Drittel sieht steigende Mieten als Konsequenz, und immerhin ein Viertel äußert Sicherheitsbedenken. Letzteres verwundert kaum – angesichts der dramatisch gestiegenen Kriminalität in deutschen Großstädten eine durchaus berechtigte Sorge.
Frauen und Ältere besonders skeptisch
Bemerkenswert ist die demografische Verteilung der Skepsis. Bei den Hamburgerinnen lehnen 52 Prozent die Bewerbung ab, bei den männlichen Befragten sind es 48 Prozent. Die größten Bedenken hegt die Generation 65+ mit 55 Prozent Ablehnung – jene Menschen also, die in ihrem Leben schon genug politische Großprojekte haben scheitern sehen und wissen, dass am Ende stets der Steuerzahler die Zeche begleicht. Die jüngere Generation zwischen 16 und 34 Jahren zeigt sich mit 45 zu 41 Prozent noch am aufgeschlossensten.
Grüne Wähler gegen grüne Regierungspolitik
Pikant ist auch der Blick auf die parteipolitische Zuordnung. Während die SPD-Anhänger mit 57 Prozent Zustimmung erwartungsgemäß hinter dem Prestigeprojekt ihres Senats stehen, rebellieren ausgerechnet die Wähler des grünen Koalitionspartners: 53 Prozent der Grünen-Anhänger finden die Bewerbung „eher schlecht". Eine Ohrfeige für die eigene Regierungsbeteiligung, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Bei der AfD liegt die Ablehnung bei 57 Prozent, bei den Linken sogar bei 72 Prozent. Lediglich CDU-Anhänger zeigen sich mit 50 zu 45 Prozent noch mehrheitlich aufgeschlossen.
Am Dienstagabend lieferte eine Veranstaltung in der Hamburger Handwerkskammer ein Abbild dieser Stimmungslage. Auf Einladung des Bundes der Steuerzahler debattierten Befürworter und Gegner über Kosten, Konzept und Konsequenzen. Bei der abschließenden Abstimmung mit farbigen Karten lagen die Skeptiker auch hier leicht vorn. Einige Teilnehmer hielten blaue Karten hoch – sie waren unentschlossen. Um genau diese Gruppe dürfte in den kommenden Wochen ein erbitterter Kampf entbrennen.
Lehren aus der Geschichte
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass sich hier ein Muster wiederholt. Olympische Spiele sind längst kein Selbstläufer mehr. Die Geschichte ist gepflastert mit Beispielen gescheiterter Großprojekte, die Städte in finanzielle Schieflagen gestürzt haben – von Athen 2004 bis Rio 2016. Dass die Hamburger Bürger ein feines Gespür für solche Risiken entwickelt haben, spricht für ihren gesunden Menschenverstand. In einer Zeit, in der Deutschland mit Rekordschulden, maroder Infrastruktur und einer schwächelnden Wirtschaft kämpft, sollte die Politik ihre Prioritäten vielleicht anders setzen, als Drohnen mit dem Slogan „Eine Chance für Alle" über der Elbe aufsteigen zu lassen.
Das Referendum am 31. Mai wird zeigen, ob der Hamburger Senat aus der Niederlage von 2015 tatsächlich nichts gelernt hat – oder ob die Bürger ihm erneut eine unmissverständliche Lektion in demokratischer Mitbestimmung erteilen werden.

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