
Öl-Zoff um Hormus: Katar kontert Bessents Milliarden-Wette
Es ist ein diplomatischer Schlagabtausch mit Sprengkraft für jede Tankfüllung in Deutschland: Katars Energieminister Saad Al-Kaabi hat am Sonntag beim Qatar Economic Forum in New York die Prognose von US-Finanzminister Scott Bessent zur Straße von Hormus scharf zurückgewiesen. Bessent hatte die wichtigste Öl-Ader der Welt kurzerhand für bald wertlos erklärt.
„Ich halte das für völlig falsch", sagte Al-Kaabi, der zugleich Chef des Staatskonzerns QatarEnergy ist, laut übereinstimmenden Medienberichten. Der Handel durch die Meerenge könne nicht obsolet werden.
Was Bessent gesagt hat – und warum es Sprengstoff ist
Am 1. September hatte Bessent am Rande eines G20-Treffens im US-Bundesstaat North Carolina im Gespräch mit dem Fox-Business-Moderator Larry Kudlow erklärt, in etwa zwei Jahren werde Hormus „ein wertloses Stück Wasser" sein. Das Öl werde dann über Pipelines an Land fließen.
Eine steile These. Denn durch die Meerenge liefen vor dem Krieg rund ein Viertel des weltweiten Rohöl-Seehandels und etwa ein Fünftel des verflüssigten Erdgases.
Katar setzt weiter aufs Wasser
Bemerkenswert ist Al-Kaabis zweite Botschaft: Doha plant demnach ausdrücklich keine Umgehungs-Pipelines. Die Entscheidung sei kommerziell und technisch begründet, man werde weiterhin die Meerenge nutzen, wird er zitiert.
Damit schert das Emirat aus dem regionalen Trend aus. Saudi-Arabien baut Berichten zufolge seine Hafenkapazitäten am Roten Meer aus, die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen eine milliardenschwere „Zero Hormuz"-Strategie.
Neue Routen über die VAE und den Irak könnten nach Branchenschätzungen eines Tages rund vier Millionen Barrel täglich zusätzlich transportieren. Zusammen mit höheren Mengen durch die saudische Ost-West-Pipeline ließen sich damit etwa 40 Prozent der einst 20 Millionen Barrel pro Tag ersetzen, die durch Hormus flossen.
Drohnen für ein paar tausend Dollar – Pipelines für Milliarden
Doch Beton und Stahl schützen nicht vor dem Krieg. Die saudische Ost-West-Pipeline wurde Medienberichten zufolge am 11. September nach einem Drohnenangriff außer Betrieb gesetzt. Billige Einweg-Drohnen stellen heute jede kritische Infrastruktur der Region in Frage.
Der Hintergrund ist dramatisch: Seit dem Beginn des Krieges zwischen Iran und der US-israelischen Allianz Ende Februar 2026 ist der Verkehr durch Hormus weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Internationale Energieagentur sprach von der größten Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Zeitweise notierte Brent über 100 US-Dollar je Barrel.
Und Deutschland? Zahlt an der Zapfsäule mit
Washington diversifiziert derweil aggressiv: ein Mega-Deal mit Venezuela, Investitionsfreigaben für US-Energiekonzerne, Lieferketten näher an die eigene Hemisphäre. Aus Sicht unserer Redaktion ist das knallharte Interessenpolitik – während Berlin über Wärmepumpen, Heizungsgesetze und Klimaneutralität im Grundgesetz debattiert.
Deutschland besitzt weder Pipelines am Golf noch eine Flotte, die Handelswege sichert. Wir sind Preisnehmer. Jeder Dollar mehr beim Barrel landet über Sprit, Strom, Fracht und Lebensmittel direkt im Geldbeutel der Bürger.
Genau in solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle traditionell als Versicherung gegen geopolitische Schocks und Kaufkraftverlust gelten. Gold und Silber kennen keine Meerenge, die jemand blockieren kann – und keine Pipeline, die eine Drohne trifft.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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