
Öl-Schock am Roten Meer: London schickt nur einen Tankflieger!
Großbritannien greift im Jemen-Konflikt ein – aber nur mit einem einzigen Flugzeug. Premierminister Andy Burnham genehmigte am Montagabend auf dem Weg zur UN-Generalversammlung in New York die Entsendung eines RAF-Tankflugzeugs, das saudische Kampfjets in der Luft betanken soll. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums beginnt der Einsatz in den kommenden Tagen – befristet auf "Wochen, nicht Tage".
Ein Voyager gegen die Houthi-Offensive
Konkret geht es um eine RAF Voyager, stationiert auf der britischen Basis Akrotiri auf Zypern. Sie soll die in Großbritannien gebauten Typhoon-Jets Saudi-Arabiens länger in der Luft halten, damit diese Drohnen und Raketen abfangen können. Britische Kampfeinsätze gegen Ziele im Jemen sind ausdrücklich nicht Teil des Pakets.
Verteidigungsminister Luke Pollard verteidigte den Schritt im Interview mit Sky News mit einem bemerkenswert knappen Satz:
"In gefährlichen Zeiten stehen gute Freunde zusammen."
Man handle "aus Gründen der nationalen Sicherheit, zur Unterstützung unserer eigenen nationalen Sicherheit", so Pollard laut den Berichten. Alles sei mit dem humanitären Völkerrecht vereinbar. Riad dürfte sich deutlich mehr erhofft haben – Beobachter halten Bodentruppen oder aktive Luftangriffe für das eigentliche saudische Wunschziel.
Warum ein Tankflugzeug plötzlich weltpolitisch wird
Der Hintergrund ist brisanter als der Umfang der Mission: Seit Ende Februar herrscht Krieg zwischen den USA und Iran, die Straße von Hormus gilt für Handelsschiffe seither als nicht mehr sicher passierbar. Rund 20 Prozent des globalen Energiehandels laufen normalerweise durch dieses Nadelöhr.
Saudi-Arabien wich deshalb auf die 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline aus – vier bis fünf Millionen Barrel täglich zum Rotmeer-Hafen Yanbu. Nach Drohnenangriffen wurde diese Lebensader vorsorglich stillgelegt. Die Schuld fiel zunächst auf die Houthis; ein US-Vertreter verwies Medienberichten zufolge zusätzlich auf schiitische Milizen im Irak.
Parallel eroberten die Houthis binnen Tagen die jemenitische Westküste und damit die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab. Am Samstag traf erstmals seit Jahren wieder ein Angriff die Hauptstadt Riad.
107 Dollar – und der Preis steht auch an deutschen Zapfsäulen
Die Märkte reagierten prompt. Brent kletterte am Montag auf rund 107,60 Dollar je Barrel – ein Plus von fast 80 Prozent seit Jahresbeginn, wenn auch unter dem Kriegshoch von gut 126 Dollar Ende April. Händler warnen: Die Bestände in den Rotmeer-Häfen reichten nur noch fünf bis sieben Tage. Bis zu vier Prozent des Weltölangebots könnten ausfallen.
Für deutsche Verbraucher ist das keine ferne Nachricht, sondern eine Rechnung, die an der Tankstelle, bei der Heizkostenabrechnung und in jedem Preisschild im Supermarkt landet. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Krise schonungslos, wie fragil eine Energieversorgung ist, die politisch auf Wunschdenken statt auf Redundanz gebaut wurde.
Bündnisse im Eiltempo – und ein Kanzler, der zuschaut
Kronprinz Mohammed bin Salman drängt Berichten zufolge Ägypten, Frankreich, die Türkei und Pakistan zu mehr Engagement; mit Pakistan und Ägypten schloss Riad zuletzt den sogenannten Mekka-Verteidigungspakt. Die Sky-Sabre-Luftverteidigung der Briten ist im Königreich bereits im Einsatz.
Bleibt die Frage: Was, wenn die Angriffe auf Aramco-Anlagen eskalieren? Burnham betonte, die Ölwege müssten "offen" bleiben. Eine tiefere Verstrickung ist damit nicht ausgeschlossen. Historisch gilt: Wer erst einen Tankflieger schickt, hat den Fuß schon in der Tür.
In Phasen, in denen Rohstoffrouten zur Verhandlungsmasse werden, erinnern sich Anleger traditionell an Sachwerte. Physisches Gold und Silber haben sich über Jahrzehnte als nervenstarke Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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