
Nächster Traditionskonzern am Abgrund: Rhenser Mineralbrunnen kämpft ums Überleben
Es ist ein Bild, das sich in Deutschland mit erschreckender Regelmäßigkeit wiederholt: Ein traditionsreiches Unternehmen, das seit über 160 Jahren besteht, muss den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Die Rhenser Mineralbrunnen GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Rhens am Rhein hat bereits Anfang März beim Amtsgericht Koblenz Insolvenz angemeldet. 140 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Und wieder einmal darf man sich fragen: Wie viele Traditionsunternehmen muss dieses Land noch verlieren, bevor die Politik aufwacht?
Seit 1862 – und jetzt zum zweiten Mal in der Existenzkrise
Das 1862 gegründete Unternehmen ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um wirtschaftliche Turbulenzen geht. Bereits 2016 hatte der Mineralbrunnen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen – damals ausgelöst durch den Umbau von Produktionsanlagen und den damit verbundenen Umsatzausfall. Man kämpfte sich zurück. Doch nun, keine zehn Jahre später, steht der Betrieb erneut vor dem Abgrund.
Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Alexander Jüchser von der Kanzlei LIESER Rechtsanwälte aus Koblenz bestellt. Sein erklärtes Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Fortführung zu schaffen. Gespräche mit Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern liefen bereits. Der Betrieb gehe vorerst uneingeschränkt weiter.
Erdrückende Kosten, schwindende Margen – ein Symptom des Standorts Deutschland
Die Gründe, die der kaufmännische Leiter Christian Kolb für die Schieflage anführt, lesen sich wie ein Lehrbuch der deutschen Wirtschaftsmisere: hoher Wettbewerbsdruck, explodierende Transportkosten, anhaltend geringe Margen und eine spürbare Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Man könnte es auch kürzer formulieren: Der Standort Deutschland wird für produzierende Unternehmen zunehmend unbezahlbar.
Und genau hier liegt der Kern des Problems. Während die Politik sich jahrelang mit ideologischen Prestigeprojekten beschäftigte, während Energiekosten durch eine verfehlte Energiepolitik in astronomische Höhen getrieben wurden und die Bürokratie mittelständische Betriebe regelrecht erdrosselt, sterben die Traditionsunternehmen leise – eines nach dem anderen. Die Rhenser Mineralbrunnen GmbH reiht sich ein in eine erschreckend lange Liste von Insolvenzen, die Deutschland in den vergangenen Jahren erschüttert haben.
Konsumenten halten sich zurück – und das hat Gründe
Dass die Verbraucher zurückhaltender konsumieren, ist kein Zufall. Die Inflation der vergangenen Jahre hat die Kaufkraft der Bürger massiv geschwächt. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung wird die Schuldenlast weiter erhöhen und kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten – Geld, das am Ende wieder beim Steuerzahler und Konsumenten fehlt. Ein Teufelskreis, der Unternehmen wie Rhenser Mineralbrunnen direkt trifft.
140 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft
Immerhin: Die rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden zeitnah über die Situation informiert. Ihre Gehälter seien über das Insolvenzgeld für die Monate März, April und Mai gesichert. Doch was danach kommt, steht in den Sternen. Der bereits 2016 eingesetzte Interims-Manager Holger Sieck bringe seine Erfahrungen aus dem damaligen Verfahren erneut ein, heißt es. Das Unternehmen gebe sich zuversichtlich.
Zuversicht – ein Wort, das in der deutschen Wirtschaftslandschaft zunehmend hohl klingt. Denn während einzelne Betriebe tapfer um ihr Überleben ringen, fehlt es an den strukturellen Rahmenbedingungen, die ein Überleben überhaupt erst möglich machen. Niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie, eine echte Entlastung des Mittelstands – all das wären Maßnahmen, die nicht nur Rhenser Mineralbrunnen, sondern Tausenden deutschen Unternehmen helfen würden. Stattdessen regiert der Stillstand. Und die Insolvenzliste wird länger.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #Energie
- #Steuern

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











