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24.09.2026
06:14 Uhr

Milliarden-Strafen aus Brüssel: Lkw-Bosse proben den Aufstand!

Europas Lastwagenbauer schlagen Alarm. Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström warnt vor „existenziellen Folgen“ der EU-Klimavorgaben, die bis 2030 einen massiven Umstieg auf Elektro-Lkw erzwingen sollen. Gemeinsam mit sechs Konkurrenten fordert sie drei Jahre Aufschub. Sonst drohten Strafen in Milliardenhöhe.

Ein Ziel wie aus dem Wolkenkuckucksheim

Auf dem Papier klingt die Vorgabe aus Brüssel einfach, in der Praxis kaum machbar. Nach der 2024 verschärften EU-Verordnung müssen neue schwere Lkw ab 2030 im Flottenschnitt 45 Prozent weniger CO₂ ausstoßen als 2019. Berichten zufolge müsste der Anteil der E-Trucks dafür auf rund 35 Prozent steigen.

Und heute? Nach Angaben des Herstellerverbands ACEA sind gerade einmal 2,4 Prozent der in Europa neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeuge emissionsfrei. Deutschland kommt auf 4,3 Prozent, in Polen, Spanien und Italien liegt die Quote unter einem Prozent. Ein Sprung um mehr als das Zehnfache in gut drei Jahren? Das liest sich eher wie ein Wunschzettel als wie ein Industrieplan.

120 Millionen Euro für jeden verfehlten Prozentpunkt

Rådström führt Daimler Truck seit Oktober 2024 und hat auch im europäischen Herstellerverband ACEA eine Führungsrolle inne. Unter den aktuellen Bedingungen hält sie die Ziele für nicht erreichbar. In einem Zeitungsinterview rechnete sie vor, jeder fehlende Prozentpunkt koste ihr Unternehmen rund 120 Millionen Euro.

„Wenn wir die Ziele um zehn Prozentpunkte verfehlen, wären das 1,2 Milliarden Euro.“

Das entspräche laut Bericht ungefähr dem weltweiten Jahresgewinn der Sparte Mercedes-Benz Trucks. Der Gewinn eines ganzen Geschäftsjahres würde als Strafe nach Brüssel fließen und fehlte dann für Werke, Forschung und Arbeitsplätze.

Bemerkenswert ist, dass die Managerin das Ziel, CO₂ einzusparen, gar nicht infrage stellt. Sie verlangt aber, die Regulierung „besser mit dem Ausbau der Infrastruktur und der Wirtschaftlichkeit von CO₂-freien Trucks“ zu verknüpfen.

Laden? Wo denn?

Genau hier liegt das Kernproblem. Im Juli 2026 gab es in ganz Deutschland nur 88 öffentliche Standorte mit zusammen 355 Ladepunkten für schwere Lkw. Der Branchenverband VDA schätzt den Bedarf für 2030 auf rund 4.000 Schnellladepunkte. Heute steht also nicht einmal ein Zehntel davon.

In ganz Europa gibt es laut ACEA weniger als 2.000 öffentliche Ladepunkte für Lkw. Damit die Ziele überhaupt erreichbar wären, müssten jeden Monat mindestens 700 neue dazukommen. Rådström beklagt, den Herstellern drohten Strafen wegen fehlender Ladesäulen, die sie „gar nicht in der Hand haben“.

Sieben Konzernchefs, eine Botschaft

Am 14. September traten auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover die Chefs von DAF, Daimler Truck, Ford Otosan, Iveco, MAN, Scania & Traton und Volvo gemeinsam auf. Sie fordern, die Frist für die 2030-Ziele auf 2033 zu verschieben. Wegen zu weniger Ladesäulen und hoher Strompreise rechneten sich E-Lkw für Speditionen schlicht nicht.

Umweltverbände wie Transport & Environment und der NABU halten dagegen. Ihrer Ansicht nach würde ein Aufschub den Markt für E-Lkw bremsen und Untätigkeit belohnen.

Brüssel zeigt kein Entgegenkommen

Die EU-Kommission hat bisher kaum nachgegeben. Anfang 2026 lockerte sie lediglich die Regeln für Emissionsgutschriften der Jahre 2025 bis 2029. Ziele und Strafen blieben unverändert. Rådström hatte eine vorgezogene Überprüfung bis spätestens Mitte 2026 gefordert. Die gibt es bis heute nicht, regulär ist sie erst für 2027 geplant.

Bei den Pkw läuft es genauso. Die Flottengrenzwerte werden Schritt für Schritt schärfer, ab 2035 kommt das Verbrenner-Aus. Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller wie BYD, SAIC und MG mit günstigen E-Autos Marktanteile. Für 2025 warnte die ACEA vor Strafen von bis zu 15 Milliarden Euro. Fällig wurden sie nur deshalb nicht, weil Brüssel die Zielerreichung auf den Schnitt von drei Jahren streckte.

Wer zahlt am Ende die Zeche?

Die Antwort ist unbequem. Das Geld für Strafen fehlt in der Entwicklung. Teurere Lkw machen den Transport teurer und damit alles, was im Supermarktregal landet. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall, wie Planwirtschaft vom grünen Tisch Europas Industrie gefährdet. Berlin kommt beim Ladenetz selbst nicht voran und sollte in Brüssel endlich Druck machen.

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