
Machtwechsel bei der US-Notenbank: Trumps Griff nach der Geldpolitik
Die Personalie elektrisiert die Finanzmärkte weltweit: Donald Trump hat Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve nominiert. Was auf den ersten Blick wie eine technokratische Entscheidung wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als hochbrisantes politisches Manöver. Der US-Präsident will die Zinsen senken – koste es, was es wolle. Doch wird der designierte Fed-Chef diesem Druck standhalten?
Ein alter Bekannter kehrt zurück
Kevin Warsh ist kein Unbekannter im Washingtoner Machtgefüge. Bereits 2006 ernannte ihn George W. Bush zum jüngsten Gouverneur des Federal Reserve Board – da war der Mann gerade einmal 35 Jahre alt. Seine Karriere liest sich wie das Who's Who der amerikanischen Finanzwelt: Investmentbank Morgan Stanley, wirtschaftspolitischer Berater im Weißen Haus, Hoover Institution an der Stanford University, Berater der Bank of England. Ein Mann mit Stallgeruch, könnte man sagen.
Schon 2017 hatte Trump mit dem Gedanken gespielt, Warsh an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt zu setzen. Damals entschied er sich für Jerome Powell – eine Wahl, die er heute bitter bereut. Powell positionierte sich zunehmend in Opposition zur Trump-Administration und weigerte sich beharrlich, die Zinsen nach den Wünschen des Präsidenten zu senken.
Trumps Feldzug gegen Powell
Die Attacken des US-Präsidenten gegen den amtierenden Fed-Chef haben mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das selbst für Trumpsche Verhältnisse bemerkenswert ist. Er bezeichnete Powell als „einen der dümmsten und destruktivsten Menschen" und warf ihm vor, durch das Ausbleiben von Zinssenkungen Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar verursacht zu haben. Doch damit nicht genug: Gegen Powell laufen strafrechtliche Ermittlungen, eine Anklage steht im Raum. Dem 72-Jährigen wird vorgeworfen, vor dem US-Senat falsche Angaben zu Sanierungskosten von Zentralbankgebäuden gemacht zu haben.
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier ein Muster zu erkennen. Trump räumt systematisch Hindernisse aus dem Weg, die seiner wirtschaftspolitischen Agenda im Wege stehen. Die Unabhängigkeit der Notenbank? Ein lästiges Relikt aus vergangenen Zeiten, so scheint es.
Der Spagat des Kevin Warsh
Hier liegt die eigentliche Brisanz der Nominierung. Warsh gilt in Fachkreisen als sogenannter „Inflation Hawk" – ein Verfechter einer restriktiven Geldpolitik, der eine niedrige Inflation über alles andere stellt. Er hat sich wiederholt gegen geldpolitische Lockerungen ausgesprochen und die Anleihekaufprogramme im Rahmen des Quantitative Easing scharf kritisiert. Eigentlich müsste er Trumps natürlicher Gegenspieler sein.
Doch verschiedenen US-Medien zufolge soll sich Warsh offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben. Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, bringt das Dilemma auf den Punkt:
„Einerseits muss er die nervösen Finanzmarktteilnehmer überzeugen, dass die Fed unter ihm weiterhin eine unabhängige Geldpolitik nach Lage der ökonomischen Fakten betreibt. Andererseits erwartet der US-Präsident, welcher ihn ernannt hat, in die geldpolitischen Erwägungen der Notenbank einbezogen zu werden."
Die unbequeme Wahrheit der Zahlen
Die ökonomische Realität spricht eine deutliche Sprache. Die US-Inflationsrate lag sowohl im November als auch im Dezember bei 2,7 Prozent – Tendenz steigend. Im April 2025 hatte sie noch bei 2,3 Prozent gelegen. Trumps erratische Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China und 25 Prozent auf Mexiko und Kanada dürfte die Teuerung weiter anheizen.
Warsh selbst äußerte sich in einem Interview mit Fox News unmissverständlich: „Die Inflationsvorhersage ist schrecklich." Er kritisierte, dass die Federal Reserve in der Vergangenheit zu spät auf die hohe Inflation reagiert habe. „Solange es keinen Regimewechsel gibt, bleiben sie an alte Fehler gebunden", fügte er hinzu.
Die Märkte haben bereits entschieden
Die Reaktion der Finanzmärkte auf Warshs Nominierung war eindeutig. Der Dollar gewann nach einer längeren Schwächephase erstmals wieder an Wert. Gold, Silber, Aktien und Bitcoin – allesamt Anlageklassen, die von einer lockeren Geldpolitik und einem schwachen Dollar profitieren – gerieten hingegen unter erheblichen Druck. Massive Abverkäufe setzten ein, die Märkte verfielen zeitweise in einen regelrechten Panikmodus.
Diese Marktreaktion ist ein deutliches Signal: Die Investoren erwarten, dass Warsh einen starken US-Dollar priorisieren wird – und nicht den Wünschen des Präsidenten nach billigem Geld nachgeben wird.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Nominierung Warshs markiert möglicherweise einen Wendepunkt in der amerikanischen Geldpolitik. Sollte er tatsächlich unabhängig agieren und die Inflation bekämpfen, statt die Zinsen zu senken, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte haben. Ein starker Dollar würde Exporte aus der Eurozone verteuern und die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft zusätzlich belasten.
In Zeiten derartiger Unsicherheit erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber traditionell als verlässlicher Anker im Portfolio. Während Papierwährungen den Launen der Politik ausgesetzt sind und Zentralbanker zwischen Inflationsbekämpfung und politischem Druck lavieren, behält das gelbe Metall seinen intrinsischen Wert. Die kurzfristigen Kursrückgänge nach der Warsh-Nominierung könnten sich für langfristig orientierte Anleger als günstige Einstiegsgelegenheit erweisen.
Die Bestätigung durch den US-Senat steht noch aus. Doch eines ist bereits jetzt klar: Die Entscheidung, wer die mächtigste Zentralbank der Welt führt, wird nicht nur in Washington, sondern auch in Frankfurt, London und Tokio mit Argusaugen verfolgt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen sowie eigene Recherchen durchführen.

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