
Kranke Kinder, weniger Hilfe: Linnemann kappt Eltern-Tage ab 2027!
Ab Januar 2027 sollen gesetzlich versicherte Eltern fünf Kinderkrankentage weniger bekommen. Das hat Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag angekündigt. Statt 15 soll es dann wieder zehn Tage pro Kind und Elternteil geben. Gleichzeitig versinkt der Staat anderswo in Milliardenschulden.
Zurück zum Stand vor Corona
Linnemann begründet den Schritt mit der Pandemie. Die Zahl der Tage sei damals als Ausnahme angehoben worden, und solche „Sonderregeln“ müsse man jetzt wieder abschaffen. Dem Vorwurf, die Kinderkrankentage sollten ganz verschwinden, widersprach er deutlich:
„Es werden zehn Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“
Formal hat der Minister recht. Vor der Pandemie galten zehn Tage. Während der Lockdowns stieg der Anspruch zeitweise auf 30 Tage, für Alleinerziehende sogar auf 60. Nach Medienberichten wurde die Zwischenlösung von 15 Tagen danach per Gesetz verlängert, zuerst für 2024 und 2025.
Was jetzt gilt und was ab 2027 droht
Bis Ende 2026 gilt noch die großzügigere Regel. Sie greift, wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und ein Elternteil deshalb nicht arbeiten kann. Die Krankenkasse zahlt dann in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns als Kinderkrankengeld.
- Bis Ende 2026: 15 Tage je Elternteil, 30 für Alleinerziehende. Bei mehreren Kindern höchstens 35 Tage (Alleinerziehende 70).
- Ab 2027 ohne Verlängerung: 10 Tage je Elternteil, 20 für Alleinerziehende.
Ob der Bundestag die 15 Tage doch noch einmal verlängert, ist offen. Nach Linnemanns Auftritt gilt das aber als unwahrscheinlich.
Sparen, aber bei wem?
Man kann die Rückkehr zur alten Regel vernünftig finden. Die gesetzlichen Kassen stehen finanziell unter Druck, die Beiträge steigen, und die Koalition hat bereits ein Sparpaket beschlossen. Dass Ausnahmen aus der Krise nicht ewig gelten, ist eigentlich solide Haushaltspolitik.
Trotzdem wirkt der Zeitpunkt schief. Dieselbe Regierung plant ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das in Wahrheit auf Schulden beruht. Bei Familien wird dagegen jeder einzelne Tag gezählt. Wer schon einmal einen Winter mit Magen-Darm-Infekten, Scharlach und Dauerschnupfen in der Kita erlebt hat, weiß: Zehn Tage können schon im Februar aufgebraucht sein. Für Familien, die arbeiten und Steuern zahlen, ist das ein schwaches Signal.
Streit über das Kassensystem
Die Debatte fällt in eine unruhige Woche. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Berichten zufolge nach schlechten Wahlergebnissen seiner Partei gesagt, viele Menschen sähen im Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung ein „Gerechtigkeitsproblem“. Die Union ruderte danach zurück. Linnemann stellte sich nun ausdrücklich hinter das duale System. Es sorge „für Innovationsoffenheit und für Qualitätssicherung“, sagte er. Die private Versicherung abzuschaffen, lehne er ab.
Stattdessen will der Minister die Patienten besser lenken. Geplant sind eine Notfallreform und ein Primärarztsystem, bei dem die Hausarztpraxis zuerst entscheidet. Einen Regierungsentwurf dazu erwarte er im November.
Fazit: Familien müssen selbst vorsorgen
Die Botschaft aus Berlin ist klar: Die Hilfe aus der Krisenzeit läuft aus. Eltern sollten jetzt mit ihren Arbeitgebern über flexible Lösungen sprechen, zum Beispiel Homeoffice, Arbeitszeitkonten oder Hilfe von den Großeltern. Einmal mehr gilt: Wer sich allein auf den Staat verlässt, steht am Ende oft mit leeren Händen da.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Wer wissen will, welche Ansprüche er konkret hat, sollte sich an seine Krankenkasse oder eine fachkundige Beratungsstelle wenden.

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