
Gold-Rücksetzer: 215 Milliarden weg – oder die Chance des Jahres?
Der Goldpreis ist unter die Marke von 3800 Euro je Feinunze gerutscht. Seit dem Euro-Rekord vom 10. März hat das Edelmetall fast 15 Prozent verloren. Auf dem Papier schrumpft der private Goldschatz der Deutschen damit einer Zeitungsberechnung zufolge um rund 215 Milliarden Euro. Ist das ein Grund zur Panik? Wer genauer hinsieht, kommt zu einem anderen Schluss.
Die Bürger horten mehr Gold als die Bundesbank
Grundlage der Rechnung ist die „Studie Goldinvestments 2026“. Das CFin-Institut der Steinbeis-Hochschule Berlin hat sie im Auftrag der Reisebank erstellt, 2000 Erwachsene wurden dafür befragt. Das Ergebnis: Deutschlands Privathaushalte besitzen 9173 Tonnen Gold. Das ist fast dreimal so viel, wie die Bundesbank in ihren Tresoren lagert.
Ende August meldete die Reisebank einen Rekordwert von mehr als 1,4 Billionen Euro. Gerechnet wurde allerdings mit dem Hoch vom 10. März, also 4457,35 Euro je Feinunze. Beim aktuellen Kurs von rund 3793 Euro sind es noch etwa 1,22 Billionen. Barren, Münzen und Goldpapiere kommen dann auf rund 772 statt 907 Milliarden Euro, Schmuck auf 453 statt 532 Milliarden.
Buchverlust ist kein echter Verlust
Rechnerisch sind von 10.000 Euro, die im März in Gold geflossen sind, heute noch etwa 8500 Euro übrig. Doch dieser Verlust existiert nur auf dem Papier. Wirklich verloren hat nur, wer jetzt verkauft. Wer vor zwei Jahren eingestiegen ist, liegt weiterhin klar im Plus.
Beim Verkauf spielt außerdem die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis eine Rolle. Händler zahlen beim Ankauf in der Regel etwas weniger als den Börsenkurs. Wer verkaufen muss, sollte deshalb am selben Tag die Angebote mehrerer Händler vergleichen.
Was hinter dem Rutsch steckt
Am 29. Januar erreichte Gold mit rund 5600 Dollar je Feinunze sein Allzeithoch. Schon am nächsten Tag folgte der heftigste Ausverkauf seit Jahrzehnten: rund neun Prozent an einem einzigen Tag. Heute notiert die Unze bei etwa 4350 Dollar.
Belastet haben vor allem der starke Dollar und die Erwartung, dass die US-Zinsen länger hoch bleiben. Medienberichten zufolge hob die US-Notenbank Fed am 16. September den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Weil Gold keine Zinsen abwirft, verliert es in solchen Phasen kurzfristig an Anziehungskraft. Es bleibt aber das, was es seit Jahrtausenden ist: Geld ohne Gegenparteirisiko.
Der Steuer-Trumpf: Nach zwölf Monaten geht der Fiskus leer aus
Laut der Studie fehlt vielen Goldbesitzern grundlegendes Steuerwissen. Dabei ist die wichtigste Regel einfach. Wer Barren oder Anlagemünzen länger als ein Jahr hält, zahlt nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes keinen Cent Steuer auf den Gewinn. Wer im März gekauft hat und bis März 2027 durchhält, kann spätere Kursgewinne also vollständig steuerfrei einstreichen.
Wer früher verkauft, muss den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Die Freigrenze beträgt 1000 Euro im Jahr, und zwar für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen. Liegt der Gewinn auch nur einen Euro darüber, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Verluste innerhalb der Frist lassen sich nur mit ähnlichen Gewinnen verrechnen, etwa aus Kryptowährungen, aber nicht mit Aktiengewinnen.
- Anlagegold ist von der Mehrwertsteuer befreit.
- Für Goldfonds und viele Zertifikate ohne Lieferanspruch gilt dagegen in der Regel die Abgeltungsteuer.
- Kaufbelege unbedingt aufbewahren, denn nur mit ihnen lässt sich die Haltefrist gegenüber dem Finanzamt nachweisen.
Die Jungen setzen am stärksten auf Gold
Überraschend ist, wer besonders viel Gold besitzt. Bei den unter 34-Jährigen macht es im Schnitt mehr als ein Fünftel des Vermögens aus, bei den über 45-Jährigen weniger als 15 Prozent. Beobachter können darin durchaus ein Misstrauensvotum gegenüber Rentensystem und Schuldenpolitik sehen. Zuletzt kaufte zwar nur jeder siebte Befragte Gold, doch die Beträge sind gestiegen. Ein Viertel der Käufe lag über 4500 Euro, 2024 lag diese Schwelle noch bei 2500 Euro.
Wie geht es weiter?
Der Gold-Stratege Ronald-Peter Stöferle von Incrementum hält das Metall laut einem Interview weiterhin für „extrem günstig“. Er verweist auf die anhaltenden Goldkäufe der Notenbanken. Charttechniker sehen Gold eher in einer Spanne zwischen 4000 und 5000 Dollar. Erst unter 3900 Dollar drohe ein echter Abwärtstrend.
Für kurzfristige Spekulation eignet sich Gold also nicht. Als langfristige Versicherung gegen Inflation, ausufernde Staatsschulden und Währungsexperimente hat es sich dagegen über Generationen bewährt. Physische Edelmetalle bleiben deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich. Bei steuerlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater.

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