
Gold kontert die Zinswende: Kurs 4.550 Dollar im Visier!
Die US-Notenbank hat am Mittwochabend die Zinsen angehoben – und Gold rutschte kurz auf 4.235 US-Dollar. Doch der Absturz währte nur Stunden. Schon zum Wochenschluss kletterte die Feinunze wieder in Richtung 4.400 Dollar. Die Bären haben sich an der 50-Tage-Linie die Zähne ausgebissen.
Erste Zinserhöhung unter dem neuen Fed-Chef
Es war die erste Straffung unter Kevin Warsh: 25 Basispunkte, einstimmig beschlossen. Marktberichten zufolge handelt es sich um die erste Zinsanhebung der Fed seit drei Jahren – ein Signal, das die Anleihemärkte spürbar durchgeschüttelt hat.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kratzte in dieser Woche an der Marke von fünf Prozent, ehe sie wieder auf rund 4,93 Prozent zurückfiel. Überraschend kam der Schritt nicht: Seit der Rede in Jackson Hole Ende August hatten die Märkte ihn Stück für Stück eingepreist.
Warum dieser Zinsschritt Fragen aufwirft
Interessanter als das „Ob" ist das „Warum". 2024 lockerte die Fed unter Jerome Powell zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl um satte 50 Basispunkte – bei einer Kerninflation von 3,3 Prozent. Heute, bei nur noch 2,4 Prozent Kerninflation, zieht sie die Zügel an. Ausgerechnet vor den Midterms.
Beobachter sprechen von einer bemerkenswerten Asymmetrie in der Reaktionsfunktion der Notenbank. Denn der aktuelle Preisdruck stammt überwiegend von der Angebotsseite: Energie, Diesel, Düngemittel – befeuert durch die Eskalation im Nahen Osten. Gegen einen Ölpreisschock hilft kein Leitzins.
Eine Zinserhöhung verteuert Landwirtschaft und Logistik, ohne einen einzigen Liter Diesel zusätzlich zu fördern. Analysten deuten den Schritt deshalb vor allem als Symbolpolitik: Die Fed wolle die Inflationserwartungen verankern und ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Weißen Haus demonstrieren – Präsident Trump hatte den restriktiven Kurs zuvor kritisch kommentiert.
Charttechnik: Die 50-Tage-Linie hält
Vom Sommerhoch bei 4.697 Dollar hat Gold rund zehn Prozent abgegeben. Viermal attackierten die Verkäufer in dieser Woche die 50-Tage-Linie bei 4.288 Dollar – viermal scheiterten sie an einem Tagesschluss darunter.
Am Freitagmorgen gelang zudem der Ausbruch über den kurzfristigen Abwärtstrend. Damit rückt die 200-Tage-Linie bei aktuell 4.541 Dollar als nächstes Ziel in Reichweite. Die Marschroute:
- Haltezone: 4.250 Dollar – wird sie nachhaltig unterschritten, droht laut Chartanalysten ein Test der 4.000er-Marke
- Erholungsziel: rund 4.550 Dollar, also die 200-Tage-Linie
- Perspektive: gelingt der Ausbruch darüber, wären im ersten Quartal 2027 wieder Kurse um 5.000 Dollar denkbar
Was Anleger jetzt wissen sollten
Ein Blick auf die längere Linie relativiert die Aufregung: Gold notiert trotz Korrektur noch immer rund 19 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das Allzeithoch von gut 5.597 Dollar stammt vom 29. Januar 2026 – vor Oktober 2025 hatte die Unze die 4.000-Dollar-Schwelle überhaupt noch nie berührt.
Bis Mitte Oktober dürfte es ruppig bleiben. Weitere Zinsschritte stehen im Raum, die Märkte preisen Berichten zufolge eine Wahrscheinlichkeit von knapp 60 Prozent für Oktober ein. Doch genau diese Gemengelage – schuldenfinanzierte Haushalte dies- und jenseits des Atlantiks, geopolitische Brandherde, eine Notenbank im Zielkonflikt – ist das Terrain, auf dem physisches Gold seine Stärke traditionell ausspielt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Kursprognosen sind unsicher, Verluste möglich.

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