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03.02.2026
07:07 Uhr

Edelmetall-Turbulenzen: Warum der jüngste Crash Gold und Silber langfristig stärken könnte

Die Edelmetallmärkte erleben derzeit eine Achterbahnfahrt, die selbst hartgesottene Investoren ins Schwitzen bringt. Auf den größten Tagesgewinn in der Geschichte des Goldpreises folgte nahezu unmittelbar der stärkste Tagesverlust – eine Volatilität, die man sonst eher von hochspekulativen Anlageklassen kennt. Doch wer jetzt in Panik verfällt, könnte einen entscheidenden Fehler begehen.

Eine Korrektur mit Ansage

Das britische Research-Haus Metals Focus warnt eindringlich davor, die jüngste Korrektur als strukturellen Bruch zu interpretieren. Die Experten bezeichnen die Entwicklung vielmehr als nachvollziehbar und geradezu unvermeidlich. In den ersten Wochen des Jahres 2026 markierte Gold eine zweistellige Zahl neuer Allzeithochs in weniger als drei Wochen. Silber legte auf Jahressicht zeitweise um sagenhafte 200 Prozent zu. Bei derart steilen Bewegungen sei ein scharfer Rücksetzer nicht nur wahrscheinlich, sondern aus Marktsicht auch funktional, da er Überhitzungen abbaue.

Der Markt musste schlichtweg „Dampf ablassen", wie es die Analysten formulieren. Und genau das ist geschehen – wenn auch auf spektakuläre Weise.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Das Kursbild zeigt die Dramatik der vergangenen Tage: Der Goldpreis konnte eine anfängliche Unterstützung bei 5.000 US-Dollar je Unze nicht halten. Über Nacht setzte zusätzlicher Verkaufsdruck ein, der die Notierung bis auf 4.402 US-Dollar drückte – ein Absturz, der vielen Anlegern den Atem stocken ließ. Von diesem Tief aus kam es jedoch zu einer kräftigen Gegenreaktion. Zuletzt lag der Spotpreis bei rund 4.800 US-Dollar je Unze, deutlich über dem nächtlichen Tiefpunkt.

Beim Silberpreis verlief die Bewegung ähnlich dramatisch: Das weiße Metall fiel in der Nacht auf 71,31 US-Dollar je Unze und notierte anschließend wieder nahe 83 US-Dollar. Für die Analysten steht dabei weniger die exakte Tagesveränderung im Vordergrund als das Muster dahinter: Hohe Hebelpositionen, starke Optionsaktivität und schnelle Positionsanpassungen können in dünner Liquidität kurzfristig Ereignisse erzeugen, die Preise in beide Richtungen überzeichnen.

Physische Nachfrage als stabilisierender Anker

Besonders bemerkenswert ist die Reaktion der physischen Käufer. Trotz der hektischen Preisbewegungen im Futures-Handel sei die fundamentale Nachfrage weiterhin robust, betont Metals Focus. Als Beispiel nennt das Research-Haus Indien, wo die physische Silbernachfrage nach wie vor solide sei. Während des Rücksetzers seien die Prämien deutlich gestiegen – ein klarer Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach physischem Material in einer Schwächephase eher zunimmt als verschwindet.

„Volatilität ist unangenehm, in diesem Umfeld aber weniger Warnsignal als Begleiterscheinung einer Neubewertung von Risiken."

Viele Käufer hätten im vergangenen Jahr kaum Einstiegschancen gesehen, weil es praktisch keinen nennenswerten Rücksetzer gab. Jetzt gibt es einen – und genau dann treten physische Käufer auf den Plan. Aus dieser Perspektive kann eine Korrektur Nachfrage aktivieren, statt sie zu zerstören.

Zentralbanken bleiben verlässliche Stütze

Für die offizielle Nachfrage nennt Metals Focus konkrete Größenordnungen: Zwar könnte das Tempo gegenüber 2025 – dort wird ein Niveau von rund 850 Tonnen genannt – etwas nachlassen. Dennoch rechnet das Research-Haus in diesem Jahr mit 700 bis 800 Tonnen Käufen durch den offiziellen Sektor. Das läge weiterhin deutlich über dem Niveau der Zeit vor der Pandemie und würde den Goldmarkt strukturell stützen.

Ein weiterer interessanter Aspekt sind die Portfolioquoten. Trotz der Rallye sei die Gold-Allokation in vielen Portfolios überraschend niedrig – im Durchschnitt weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Schon eine Verschiebung von drei auf vier Prozent könne einen spürbaren Nachfrageimpuls auslösen. Langfristige Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen oder Family Offices seien im Markt bislang unterrepräsentiert.

Ausblick: Analysten bleiben optimistisch

An der grundsätzlichen Prognose hält Metals Focus auch nach der Korrektur fest. Das Haus erwartet einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.500 US-Dollar je Unze zur Jahresmitte und etwa 5.800 US-Dollar im Jahresdurchschnitt. Strukturelle Treiber wie Schulden, fiskalische Ungleichgewichte, Entdollarisierung und geopolitische Risiken veränderten sich langsam – nicht über Nacht.

Unter dem Strich sieht Metals Focus den jüngsten Rücksetzer eher als Belastungstest, der den Markt nicht schwächt, sondern ordnet. Eine Korrektur setze die Stimmung zurück, bringe Käufer wieder in den Markt und könne so eine stabilere Basis schaffen.

Physische Edelmetalle als Vermögensschutz

In Zeiten derartiger Marktturbulenzen zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Bestandteil eines breit gestreuten Portfolios. Während spekulative Positionen an den Terminmärkten extreme Schwankungen erleben, bieten physisches Gold und Silber einen greifbaren Vermögensschutz gegen Währungsabwertung, geopolitische Risiken und die Folgen einer verfehlten Geld- und Fiskalpolitik.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken.

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