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22.09.2026
10:36 Uhr

Datendurst: Deutschlands KI-Pläne und der große Wasser-Blindflug

Deutschland will bis 2030 seine Rechenzentrums-Kapazitäten mindestens verdoppeln. Die Rechenleistung für Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen soll sich sogar vervierfachen. Nur eine Frage bleibt offen: Wie viel Wasser diese neue digitale Industrie tatsächlich schluckt, weiß derzeit niemand genau.

1,85 Milliarden Liter – und das ist nur ein Ausschnitt

Für das Jahr 2024 weisen die verfügbaren Meldungen deutscher Rechenzentren laut dem Bericht einen Wassereinsatz von schätzungsweise 1,85 Milliarden Litern aus. Belastbar ist diese Zahl nicht: Sie deckt nur einen Teil des Marktes ab.

Wie dünn die Datenlage ist, zeigt das Berichtsjahr 2025. Bis Anfang Juli 2026 hatten nach den verfügbaren Monitoringdaten erst 482 von geschätzt rund 1.000 meldepflichtigen deutschen Rechenzentren überhaupt Daten geliefert. Anders gesagt: Mehr als jede zweite Anlage bleibt im Dunkeln.

Die im März 2026 vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Rechenzentrumsstrategie setzt derweil auf Expansion – Medienberichten zufolge auf über sechs Gigawatt Kapazität in dreieinhalb Jahren. Erst ausbauen, dann messen: Für Kritiker ist das Planungspolitik mit verbundenen Augen.

Der versteckte Verbrauch: Strom kostet Wasser

Der eigentliche Fußabdruck liegt ohnehin nicht nur hinter dem Werkszaun. Eine Schätzung der Internationalen Energieagentur veranschlagt den weltweiten Wasserbedarf für Rechenzentren im Jahr 2023 auf mehr als 500 Milliarden Liter.

Davon entfielen der Modellierung zufolge rund 140 Milliarden Liter auf den direkten Betrieb – und etwa 373 Milliarden Liter auf die Bereitstellung des Stroms. Die Kraftwerke sind also die größeren Durstigen. Die Meldepflichten erfassen diesen indirekten Teil bislang gar nicht.

Wenn Effizienz zur Falle wird

Die Regulierung schaut vor allem auf Strom. Für Rechenzentren, die seit dem 1. Juli 2026 neu starten, schreibt das Energieeffizienzgesetz einen PUE-Wert von maximal 1,2 vor: Auf 100 Kilowattstunden IT-Leistung dürfen höchstens 20 weitere für Kühlung und Infrastruktur entfallen. Zusätzlich muss Abwärme genutzt werden.

Doch genau hier beißt sich die Bürokratie selbst in den Schwanz. Verdunstungskühlung spart Strom – und verbraucht Wasser. Trockene Rückkühler sparen Wasser – und brauchen bei Hitze mehr Strom.

"Was aus Sicht der Energieeffizienz sinnvoll erscheint, kann die Wasserbilanz belasten. Ein Rechenzentrum mit trockener Rückkühlung hat ein niedrigeres Wasserprofil als eine Anlage, die Verdunstungskühlung einsetzt", sagt Mathias Franke, Leiter Data Center Consulting bei Drees & Sommer.

Brüssel plant das nächste Etikett

Einen verbindlichen Grenzwert für Wasser gibt es bislang nicht. Die EU-Kommission arbeitet an einem Bewertungssystem, eine Studie läuft bis Ende 2027. Geplant ist ein Nachhaltigkeitslabel von A bis G für Anlagen ab 500 Kilowatt – erinnert an die Energieklassen auf Kühlschränken, nur für Serverhallen.

Dass Wasser zum Genehmigungsrisiko werden kann, zeigen internationale Fälle: Im US-Staat New York wurden Umweltgenehmigungen für neue Hyperscale-Anlagen vorübergehend ausgesetzt. Im wallonischen Farciennes lehnte die Regionalregierung ab, ein Rechenzentrum mit Wasser aus der Sambre zu kühlen.

Dass es anders geht, beweist der incampus in Ingolstadt: Dort nutzen Audi und die Stadt Grundwasser, das für die Altlastensanierung ohnehin gefördert wird, thermisch – rund 1,5 Megawatt Heiz- und Kühlleistung, ohne Wasserverlust. Vorausgesetzt, man plant Energie, Kühlung und Abwärme von Anfang an zusammen.

Standortfaktor Wasser

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein bekanntes Muster: große Ziele, viele Berichtspflichten, wenig belastbare Zahlen. Wer Industriepolitik betreibt, sollte die Ressourcenfrage vorher klären – nicht erst, wenn Kommunen Trinkwasser für Kühlung untersagen.

Knappe Ressourcen, steigende Energiekosten, wachsende Abhängigkeiten: Für viele Sparer ist das ein Grund, physische Edelmetalle als Beimischung zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens zu prüfen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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