
Clan-Chat bei der Linken: Jetzt geht die eigene Partei auf Koçak los!
Ein Chatverlauf, ein „Bruder“ zu viel – und plötzlich steht der Wahlsieg der Berliner Linken im Schatten einer Clan-Debatte. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich am Montagabend auf X für Nachrichten an Firas Remmo, den Sohn des Oberhaupts der Remmo-Großfamilie, entschuldigt. Die Quittung kam prompt: Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zerlegte ihren Parteifreund öffentlich.
„Mir reicht es langsam“
Pau, jahrelang eine der prominentesten Stimmen der Linken im Bundestag, wählte auf X ungewöhnlich harte Worte. Dass ein Abgeordneter nicht gewusst habe, mit wem er schreibt, glaubt sie offenbar nicht mehr.
„Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.“
Und weiter, in Richtung Koçaks Ankündigung, sich nun Zeit nehmen zu wollen: „Übernehme endlich mal Verantwortung.“ Sie habe gehofft, er setze die Arbeit gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Antiziganismus fort – passiert sei nichts. Ihre bittere Frage: „Wer macht eigentlich endlich die Arbeit?“
Der Chat, der alles ins Rollen brachte
Ausgelöst hatte den Sturm der Sohn des Clan-Chefs selbst. Firas Remmo veröffentlichte auf Instagram einen Screenshot des Austauschs und garnierte ihn mit Kampfrhetorik: Man stehe zusammen, halte zusammen, kämpfe gemeinsam für gemeinsame Ziele – „Wir sind ein Team.“
Koçak bestätigte die Echtheit der Nachrichten. Man habe sich gegenseitig mit „Bruder“ angesprochen, er habe „Grüße mit Respekt“ an den Vater ausgerichtet. Medienberichten zufolge bat er den Remmo-Sohn außerdem, Inhalte für ihn zu verbreiten. Seine Erklärung: Er kommuniziere wöchentlich mit hunderten Neuköllnern und habe zu diesem Zeitpunkt „keine Kenntnis davon“ gehabt, um wen es sich handele. Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet würden, seien „durch nichts zu rechtfertigen“ – so der Abgeordnete selbst. Berichten zufolge will er sich nun zurückziehen und sein „Kommunikationsverhalten aufarbeiten“.
Wahlparty, Clan-Chef und ein Name mit Goldgeschichte
Der Zeitpunkt könnte für die Linke kaum unpassender sein. Die Partei hat die Berliner Abgeordnetenhauswahl klar gewonnen und lud Grüne und SPD bereits zu Vorgesprächen. Doch am Wahlabend tauchte Issa Remmo, das Oberhaupt der Großfamilie, auf Wahlpartys der Linken auf und erklärte laut Berichten, er fühle sich erstmals von einer Partei unterstützt. Spitzenkandidatin Elif Eralp betonte, es gebe keine persönlichen oder politischen Verbindungen; Remmo sei nicht eingeladen und wieder hinausgeschickt worden.
Der Name Remmo ist vielen Deutschen nicht durch Politik, sondern durch Spektakuläres bekannt: Medienberichten zufolge wurden Mitglieder der Familie unter anderem im Zusammenhang mit dem Raub der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum und dem Juwelendiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe verurteilt.
Eine Debatte, die weit über Berlin hinausreicht
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Fall offen, was viele Bürger längst spüren: Wo der Staat Clanstrukturen jahrzehntelang kleinredete, wachsen Netzwerke – und irgendwann klopfen sie an die Türen der Parteizentralen. Dass die schärfste Kritik diesmal aus der Linken selbst kommt, macht die Sache für die Partei nicht harmloser, sondern brisanter.
Bemerkenswert bleibt: Ein Abgeordneter, der sich beruflich mit Clankriminalität befasst, will nicht erkannt haben, mit wem er da per „Bruder“ verkehrte. Für viele Wähler dürfte das die entscheidende Frage sein – Naivität oder Kalkül?

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