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04.02.2026
05:53 Uhr

Chemiebranche am Abgrund: Tarifverhandlungen beginnen inmitten historischer Krise

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steht vor einem Scherbenhaufen. Während heute in Langenhagen bei Hannover die Tarifverhandlungen für rund 585.000 Beschäftigte beginnen, offenbart sich das ganze Ausmaß einer Branchenkrise, die ihresgleichen sucht. Die Produktion liegt mittlerweile 20 Prozent unter dem Niveau von 2018 – ein Absturz, der die Frage aufwirft, ob Deutschland seinen industriellen Kern noch retten kann.

Ein Kochtopf, der nicht mehr brodelt

Im rheinland-pfälzischen Lahnstein zeigt sich exemplarisch, was die gesamte Branche plagt. Das Chemieunternehmen Zschimmer & Schwarz, ein mittelständischer Betrieb mit rund 500 Beschäftigten, produziert chemische Hilfsmittel für Haushaltsprodukte wie Glasreiniger und Spülmittel. Betriebsleiter Arndt Griebel vergleicht die Produktionsanlagen mit einem großen Kochtopf – doch dieser Topf steht zunehmend leer. Die Auslastung befinde sich auf einem historischen Tiefstand, wie das Unternehmen einräumt.

Was hier geschieht, ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine Industrie, die einst das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildete. Die Ursachen sind vielfältig, doch sie lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: politisches Versagen auf ganzer Linie.

Energiekosten treiben Kunden in die Flucht

Geschäftsführer Christoph Riemer benennt das Problem mit erschreckender Klarheit. Die hohen Energiekosten hätten sich mittelbar auf die Geschäftslage ausgewirkt. Große Kunden aus der energieintensiven Keramikindustrie seien abgewandert – nach Indien, nach China. Dort, wo Energie noch bezahlbar ist und Unternehmen nicht durch überbordende Bürokratie erdrosselt werden.

„Gerade in Deutschland und in Europa ist dieser Bereich extrem rückläufig, weil sich die Energiekosten für diese Kunden so massiv erhöht haben."

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Wenn die Kunden verschwinden, bleiben auch die Aufträge aus. Bei Zschimmer & Schwarz hat der Personalabbau bereits begonnen. Ein sogenanntes „Freiwilligenprogramm" soll Mitarbeiter dazu bewegen, das Unternehmen zu verlassen. Vorgezogene Renten werden erleichtert. Konkrete Zahlen nennt die Geschäftsführung nicht – vermutlich, weil sie zu erschreckend wären.

Arbeitgeber fordern tarifpolitische Atempause

Der Arbeitgeberverband BAVC geht mit einer unmissverständlichen Botschaft in die Verhandlungen: Die Branche brauche eine Nullrunde. Verhandlungsführer Matthias Bürk spricht von einer Industrie, die „mit dem Rücken zur Wand" stehe. Hohe Energie- und Arbeitskosten, steigender Importdruck, neue Zölle aus den USA und eine schwache Nachfrage – die Liste der Probleme ist lang, die Lösungen sind rar.

Laut einer Umfrage des Verbands hat bereits ein Viertel der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem Personalabbau begonnen. Weitere 23 Prozent werden diesem Beispiel 2026 folgen. Und 18 Prozent haben die Pläne fertig in der Schublade, warten aber noch ab. Die Botschaft ist eindeutig: Die Chemiebranche blutet aus.

Gewerkschaft lehnt Nullrunde ab

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie unter ihrem Vorsitzenden Michail Vassiliadis zeigt sich wenig kompromissbereit. Eine Nullrunde komme nicht in Frage, heißt es von Gewerkschaftsseite. Stattdessen fordert die IG BCE Lohnsteigerungen, die die Kaufkraft stärken sollen – konkrete Zahlen werden allerdings nicht genannt. Darüber hinaus wünscht sich die Arbeitnehmervertretung tarifvertragliche Lösungen zur Arbeitsplatzsicherung.

Doch Arbeitgeber-Verhandler Bürk erteilt dieser Hoffnung eine klare Absage: Eine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag könne es nicht geben. Sichere Arbeitsplätze ließen sich weder durch die Politik noch durch die Sozialpartner verordnen. Eine bittere Wahrheit, die viele Beschäftigte in den kommenden Monaten am eigenen Leib erfahren dürften.

Ein Lichtblick am Horizont?

Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Das kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte der Branche neue Exportmöglichkeiten eröffnen. Der Verband der Chemischen Industrie sieht darin die Chance auf resilientere Lieferketten. Bisher spielen Handelsbeziehungen mit Indien in der Chemiebranche allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Ob dieses Abkommen ausreicht, um den Niedergang einer ganzen Industrie aufzuhalten, darf bezweifelt werden. Die strukturellen Probleme – explodierende Energiekosten, erdrückende Bürokratie und eine Politik, die Unternehmen eher behindert als fördert – werden dadurch nicht gelöst. Die Tarifverhandlungen in Langenhagen dürften daher nur der Auftakt zu einem langen und schmerzhaften Anpassungsprozess sein.

Die Quittung für politische Fehlentscheidungen

Was wir hier beobachten, ist nichts anderes als die Quittung für Jahre verfehlter Energie- und Wirtschaftspolitik. Die ideologiegetriebene Energiewende, die Abschaltung der Kernkraftwerke und die Abhängigkeit von russischem Gas haben Deutschland in eine Situation manövriert, in der selbst traditionsreiche Industriezweige ums Überleben kämpfen. Die Chemiebranche ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Während andere Länder ihre Industrie mit günstiger Energie und schlanker Bürokratie unterstützen, erstickt Deutschland seine Unternehmen in einem Wust aus Vorschriften und Abgaben. Die Folgen sind absehbar: Produktionsverlagerungen ins Ausland, Arbeitsplatzverluste und ein schleichender Verlust industrieller Kompetenz. Ob die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hier eine Trendwende einleiten kann, bleibt abzuwarten. Die Zeit drängt jedenfalls.

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