
Bosporus dicht: Türkei stoppt Schiffe – Drohnen jagen Frachter im Schwarzen Meer
Die Türkei hat begonnen, die Durchfahrt kommerzieller Schiffe ins Schwarze Meer einzuschränken. Auslöser sind Medienberichten zufolge immer häufigere Drohnenangriffe auf zivile Frachter vor russischen Häfen. Betroffen sind vor allem Schiffe mit Kurs auf Noworossijsk – einen der wichtigsten Öl- und Getreideumschlagplätze Russlands.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg teilte die türkische Küstensicherheitsbehörde mehreren Reedereien mit, dass derzeit keine Transitgenehmigungen für die Dardanellen erteilt würden. Man benötige mehr Zeit zur Prüfung der Anträge. Eine offizielle Begründung gab es den Quellen zufolge nicht. Auch Schiffe mit Ziel Ukraine sollen betroffen sein.
Drohnen treffen Wohnräume der Besatzung
Der Hintergrund ist brisant. Erst am Freitag wurde dem Bericht zufolge der unter türkischer Flagge fahrende Frachter „MV Gulluk“ vor Noworossijsk von einer Drohne getroffen – ausgerechnet im Bereich der Mannschaftsunterkünfte. Verletzt wurde offenbar niemand.
Glück hatten zuvor andere nicht: Am 3. August traf es das Ro-Ro-Schiff „Nadezhda“ rund 20 Seemeilen vor der russischen Küste auf dem Weg nach Samsun. Drei Besatzungsmitglieder sollen schwer verletzt worden sein. Ebenfalls angegriffen wurde laut den Berichten die „Yasar“.
Ankara warnt vor Folgen für die Ernährungssicherheit
Die türkische Außenpolitik reagierte deutlich. In einer Erklärung hieß es, man sei zutiefst besorgt über die Eskalation zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer, die trotz zahlreicher Warnungen die zivile Schifffahrt treffe.
„Sofern keine präventiven Maßnahmen ergriffen werden, wird die Eskalation im Schwarzen Meer vielfältige negative Auswirkungen haben – auch auf die Ernährungssicherheit.“
Wer das für Diplomatengeschwätz hält, sollte auf die Getreidebörsen schauen. Russland ist der größte Weizenexporteur der Welt, die Ukraine gilt als Kornkammer Europas. Der Weizenpreis kletterte im Juli auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Mitten in der Erntesaison stehen die Transportwege unter Beschuss – von beiden Seiten.
Raffinerien in Flammen – neun Prozent der Weltkapazität weg
Parallel greift die Ukraine russische Raffinerien an. Betroffen waren zuletzt die Anlage Ilski in der Region Krasnodar sowie die Raffinerie Sysran im Gebiet Samara – beide gerieten laut den Berichten in Brand. Zusammen verarbeiten sie über 14 Millionen Tonnen Öl pro Jahr.
Reuters schätzte bereits im Mai, dass die Konflikte zwischen Russland und der Ukraine sowie zwischen den USA, Israel und dem Iran zusammen knapp neun Prozent der weltweiten Raffineriekapazität lahmgelegt hätten. Dazu kam die zeitweilige Schließung der Straße von Hormus, die die Energiepreise weiter nach oben trieb.
Was das für Deutschland bedeutet
Für deutsche Verbraucher ist das keine ferne Meldung. Getreide, Speiseöl, Diesel, Dünger – die Preisketten hängen an genau diesen Seewegen. Wer sich noch an 2022 erinnert, weiß, wie schnell aus einer Meldung über Schiffsverkehr eine Rechnung im Supermarkt wird.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang vor allem eines: Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Eine Energie- und Handelspolitik, die auf Abhängigkeiten setzt und gleichzeitig eigene Kapazitäten abbaut, macht ein Land erpressbar.
In solchen Phasen erinnern sich Anleger traditionell daran, warum physische Edelmetalle über Jahrhunderte als Krisenanker dienten: Sie sind kein Versprechen auf einem Papier, sondern greifbarer Besitz – eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Die Einordnungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder.

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