
Blackstones Vorzeige-Kreditfonds verbucht ersten Monatsverlust seit drei Jahren – Private-Credit-Blase vor dem Platzen?
Was lange brodelte, kommt nun an die Oberfläche: Der weltweit größte private Kreditfonds von Blackstone, bekannt unter dem Kürzel BCRED, hat im Februar seinen ersten monatlichen Verlust seit September 2022 eingefahren. Ein Minus von 0,4 Prozent mag auf den ersten Blick harmlos klingen – doch in einem Markt, der jahrelang wie am Schnürchen lief und Anlegern traumhafte Renditen vorgaukelte, ist dieses Signal alarmierend.
Der 83-Milliarden-Dollar-Koloss wankt
Der BCRED-Fonds, im Januar 2021 aufgelegt und mittlerweile auf ein Volumen von rund 83 Milliarden Dollar angewachsen, galt lange als Aushängeschild der boomenden Private-Credit-Branche. Diese Branche, die inzwischen ein Gesamtvolumen von geschätzten 1,8 Billionen Dollar umfasst, wurde von Kritikern seit Monaten mit unbequemen Fragen konfrontiert: Sind die Bewertungen der Kreditportfolios überhaupt realistisch? Werden Anleger über die wahren Risiken im Dunkeln gelassen? Und was passiert, wenn die Musik aufhört zu spielen?
Blackstone selbst erklärte den Verlust gegenüber Finanzberatern mit sich ausweitenden Spreads an den öffentlichen und privaten Märkten sowie mit nicht realisierten Abschreibungen auf einzelne Positionen – darunter der Softwareanbieter Medallia. Dessen Kredit wurde auf lediglich 78 Cent pro Dollar herabgestuft. Ein Wert, der die teils drastischen Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen Fondsmanagern schonungslos offenlegt.
Wenn der Fondsmanager selbst einspringen muss
Besonders pikant: In den vergangenen Quartalen sah sich Blackstone mit erhöhten Rücknahmebegehren konfrontiert, die das zuvor festgelegte Limit von fünf Prozent des Nettovermögens überschritten. Um eine sogenannte „Gating"-Situation zu vermeiden – also die Sperrung von Auszahlungen, die bei Anlegern regelmäßig Panik auslöst –, griff der Vermögensverwalter zu einem höchst ungewöhnlichen Mittel: Eigenes Kapital sowie Beiträge der Führungsriege wurden herangezogen, um die Rücknahmewünsche zu bedienen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Fonds, der angeblich solide und konservativ investiert, kann die Abflüsse seiner Anleger nicht mehr aus eigener Kraft stemmen und muss auf das Privatvermögen seiner Manager zurückgreifen. Das erinnert fatal an Szenarien, die man eigentlich nur aus Lehrbüchern über Finanzkrisen kennt.
Jon Grays Verteidigungsrede – oder: Warum die Mathematik angeblich nicht lügt
Blackstones Präsident und COO Jon Gray versuchte bei einem jährlichen Treffen mit führenden Finanzberatern die Wogen zu glätten. Private Kredite seien überwiegend „gering gehebelte Vehikel", die Darlehen mit einem Beleihungswert von nur 40 Prozent an qualitativ hochwertige Unternehmen vergeben hätten. Selbst bei einer Ausfallrate von 15 Prozent und einer Rückgewinnungsquote von lediglich 50 Prozent würde dies keine Krise auslösen, so Gray. Der BCRED habe sich bereits auf 97 Cent abgeschrieben, während das mathematische Worst-Case-Szenario bei 92,5 Cent liege – also nur 7,5 Punkte Verlust.
Klingt beruhigend? Vielleicht. Doch die Märkte scheinen Grays Optimismus nicht zu teilen. Die Kurse von Private-Credit-Titeln befinden sich im freien Fall, und prominente Kritiker wie Saba-Gründer Boaz Weinstein oder Diameter-Chef Scott Goodwin haben wiederholt auf mögliche Fehlbewertungen in der gesamten Branche hingewiesen. Die Frage, ob hier jahrelang Bücher geschönt wurden, steht wie ein Elefant im Raum.
Ein Warnsignal für alle Anleger
Was sich hier abzeichnet, ist mehr als nur ein schlechter Monat für einen einzelnen Fonds. Es ist ein Symptom einer Branche, die in den Jahren der Nullzinspolitik und des billigen Geldes explosionsartig gewachsen ist – möglicherweise weit über das hinaus, was fundamentale Bewertungen rechtfertigen. Die Sorge, dass künstliche Intelligenz ganze Softwareunternehmen – und damit deren Kreditwürdigkeit – obsolet machen könnte, verschärft die Lage zusätzlich.
Für den deutschen Anleger sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Während intransparente Kreditvehikel mit ihren vermeintlich stabilen Renditen locken, zeigt sich einmal mehr, dass in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit nur physische Werte echte Sicherheit bieten. Gold und Silber kennen keine Rücknahmelimits, keine Bewertungstricks und keine Gating-Mechanismen. Sie sind, was sie sind – und das seit Jahrtausenden.
„BCRED liefert weiterhin eine starke Performance für seine Investoren, mit einer annualisierten Gesamtrendite von 9,5 Prozent seit Auflegung", ließ ein Blackstone-Sprecher verlauten.
Ob diese Worte in einem Jahr noch Bestand haben werden, darf bezweifelt werden. Die Geschichte der Finanzmärkte lehrt uns eines mit brutaler Klarheit: Wenn die Großen anfangen, ihre eigenen Taschen zu leeren, um den Schein zu wahren, ist das Ende der Fahnenstange meist nicht mehr fern.
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