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21.09.2026
15:03 Uhr

Atom-Wettlauf um KI: China baut, Amerika zögert, Berlin schaut zu

China hat in den vergangenen zehn Jahren 34 Gigawatt neue Atomkraft ans Netz gebracht — die USA im gleichen Zeitraum ein einziges Kraftwerk. Das berichtet das Branchenportal Oilprice. Kurz vor dem Treffen von Xi Jinping und Donald Trump am Donnerstag in Washington liefert diese Zahl die vielleicht wichtigste Nachricht des Gipfels: Wer die Rechenzentren der KI-Ära mit Strom versorgen kann, gewinnt das Technologierennen.

Sechs Jahre gegen mehr als ein Jahrzehnt

Ein chinesischer Reaktor entsteht laut dem Bericht im Schnitt in rund sechs Jahren. Amerikanische Projekte brauchen mehr als zehn — das Musterbeispiel Plant Vogtle in Georgia wurde jahrelang verzögert und immer teurer.

Der Energieanalyst Damien Ma rechnet damit, dass China bis 2035 die weltweit führende Nuklearmacht sein wird. Nach Daten der Qatar Tribune baut das Land derzeit fast die Hälfte aller weltweit im Bau befindlichen Reaktoren und dürfte die USA bei den Gesamtkapazitäten schon in fünf Jahren einholen. Peking peilt bis 2030 eine Leistung von 110 Gigawatt an.

Strom als strategische Waffe

Der Treiber ist banal und brutal zugleich: KI-Rechenzentren fressen Strom rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf Wind und Wetter. Dazu kommen laut dem Bericht Störungen der Weltmärkte durch die anhaltende Krise in der Straße von Hormus.

Technisch zieht China davon. Im ostchinesischen Kraftwerk Xuwei entstehen Hochtemperaturreaktoren der vierten Generation, die neben Strom auch industrielle Prozesswärme liefern — genau das, was energieintensive Branchen in Europa dringend suchen. Diese Woche unterzeichnete die CNNC-Tochter Chinergy am Rande der IAEA-Generalkonferenz in Wien ein Kooperationsabkommen zu Forschung, Bau und Betrieb solcher HTGR-Anlagen.

Für einen bislang abgeschotteten Nuklearsektor ist das ein bemerkenswerter Schritt. Und ein Signal: Die Standards von morgen werden offenbar in Peking geschrieben, nicht in Brüssel.

Und Deutschland? Importiert lieber

Während China im Akkord baut und selbst Washington per Erlass die Genehmigungsverfahren beschleunigen und die Atomkapazität bis 2050 auf 400 Gigawatt vervierfachen will, hat Deutschland den umgekehrten Weg gewählt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur importierte die Bundesrepublik 2025 rund 76,2 Terawattstunden Strom und exportierte 54,3 Terawattstunden — ein satter Importüberschuss.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das das eigentliche Drama: Wer bei der Ansiedlung von Rechenzentren mitreden will, braucht billigen, planbaren Grundlaststrom. Deutschland bietet stattdessen hohe Preise, lange Verfahren und eine Debattenkultur, in der Technologieoffenheit als Zumutung gilt.

Gipfel mit Tech-Prominenz — und offenen Fragen

In Washington werden Medienberichten zufolge auch OpenAI-Chef Sam Altman und Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet. US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng verhandelten laut Bessent am Wochenende in New York über einen Mechanismus zum Austausch wichtiger KI-Informationen.

Der im Oktober 2025 in Busan vereinbarte Zollwaffenstillstand läuft gut fünf Wochen nach dem Gipfel aus. China dränge laut CSIS-Experte Scott Kennedy auf eine Verlängerung bis zum Ende von Trumps Amtszeit, Washington wolle nur wenige Monate zugestehen.

Streitpunkte wie Exportkontrollen, Cyberoperationen, Taiwan und Chinas Rolle im Iran-Krieg bleiben ungelöst. Für Anleger ist die Botschaft eindeutig: Der Konflikt der Supermächte verschiebt sich von Zöllen auf Energie und Rechenleistung — und solche Machtkämpfe haben die Kaufkraft von Papierwerten historisch selten gestärkt. Physisches Gold und Silber bleiben in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Beimischung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich zuvor selbst umfassend informieren.

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