
6,50 Dollar pro Gallone: Der Diesel-Schock erschüttert Amerika
Der Dieselpreis in den USA ist am Wochenende erstmals auf durchschnittlich 6,505 Dollar je Gallone geklettert – ein neuer Rekord. Zahlen des Automobilclubs AAA zufolge verteuerte sich der Kraftstoff allein seit Monatsbeginn um mehr als 87 Cent. Damit ist der bisherige Höchststand aus dem Krisenjahr 2022 gefallen.
Innerhalb eines Monats ein Plus von rund 17 Prozent, binnen eines Jahres fast 76 Prozent: Wer in den USA Waren transportiert, Felder bestellt oder im Nordosten mit Heizöl heizt, erlebt gerade einen Kostenschock in Echtzeit. Inflationsbereinigt liegt der Preis zwar noch unter dem Niveau von 2022 – ein Trost, der niemandem die Tankrechnung bezahlt.
Die Lager sind dünn – und die Raffinerien am Anschlag
Belastbare Hinweise auf einen landesweiten Versorgungsengpass gibt es bislang nicht. Die Destillatbestände, zu denen Diesel und Heizöl zählen, stiegen laut der US-Energiebehörde EIA zuletzt auf 107,9 Millionen Barrel. Doch sie liegen damit immer noch 13 Prozent unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt.
Gleichzeitig laufen die US-Raffinerien mit einer Auslastung von fast 97 Prozent nahe am Limit. Kurzfristig mehr produzieren? Kaum möglich. Ein ungeplanter Ausfall oder die übliche Herbstwartung genügt, um den Markt endgültig aus dem Gleichgewicht zu bringen.
In sozialen Netzwerken kursieren Bilder von Zapfsäulen mit Anzeigen von 9,999 Dollar je Gallone, vor allem aus Kalifornien. Nutzer deuten sie als Beweis für leere Tanks. Überprüfbar sind diese Aufnahmen meist nicht – Screenshots sind keine Statistik.
Zwei Kriege, eine Rechnung
Die Ursachen liegen offen. Der Iran-Krieg trifft die Lieferketten doppelt: Weniger Rohöl verlässt den Persischen Golf, und die Destillat-Exporte aus dem Nahen Osten sind eingebrochen. Der eingeschränkte Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus verschärft die Knappheit zusätzlich.
Hinzu kommen die Folgen des Ukraine-Krieges: Nach Drohnenangriffen mussten mehrere große russische Raffinerien ihre Produktion drosseln oder stoppen, am Wochenende traf es Berichten zufolge auch die Moskauer Ölraffinerie. Moskau hat einen Großteil seiner Diesel-Ausfuhren untersagt und könnte die Sperre bis Ende Oktober verlängern. Da China und Indien ebenfalls exportseitig bremsen, fehlt der Weltmarkt-Puffer.
Warsh warnt – und die Fed bleibt hart
Für die US-Notenbank ist das ein Albtraum. Fed-Chef Kevin Warsh stellte klar, die Fed könne weder den Ölpreis senken noch die Straße von Hormus öffnen; sie müsse aber verhindern, dass sich der Energieschock über Zweit- und Drittrundeneffekte durch die gesamte Wirtschaft fresse.
Genau dieses Risiko wächst. Nach der jüngsten Zinserhöhung signalisiert der Dot Plot mindestens einen weiteren Schritt. Bleiben Diesel und Öl teuer, dürfte die Fed länger restriktiv bleiben, als den Märkten lieb ist.
Politisches Dynamit vor den Midterms
Im November wählen die Amerikaner – und teurer Diesel ist für Donald Trump und die Republikaner ein schwerer Rucksack. Besonders getroffen werden Agrarstaaten wie Iowa und Heizöl-Regionen im Nordosten. In Washington wächst deshalb der Druck, US-Dieselexporte zu beschränken. Kurzfristig könnte das helfen, global aber würde es die Krise weiter anheizen.
Für Deutschland ist das kein fernes Schauspiel. Energie ist der Preis aller Preise – wer Versorgungssicherheit ideologisch statt ökonomisch plant, zahlt am Ende doppelt. Physische Edelmetalle haben sich in solchen Phasen der Energie- und Inflationsunsicherheit historisch als robuster Baustein zur Vermögenssicherung bewährt und können ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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