
15 Jahre Haft für Weinstein: Das tiefe Ende des Hollywood-Königs
Ein New Yorker Gericht hat den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein am Mittwoch, 23. September 2026, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Es ging um einen sexuellen Übergriff auf die frühere TV-Produktionsassistentin Miriam Haley im Jahr 2006. Der 74-Jährige beteuert weiter seine Unschuld und will in Berufung gehen. Das Tauziehen vor Gericht geht also weiter.
Die Höchststrafe hätte bei 25 Jahren gelegen, so weit ging Richter Curtis Farber nicht. Laut deutschen Medienberichten blieb er auch unter der Forderung der Anklage. Für Weinstein ändert das wenig: Seit 2020 sitzt er ohne Unterbrechung hinter Gittern.
Im Rollstuhl vor dem Richter
Nach US-Medienberichten saß der gesundheitlich angeschlagene Ex-Mogul bei der Urteilsverkündung im Rollstuhl. Im Juli war er Berichten zufolge wegen schwerer Atemprobleme ins Krankenhaus gebracht worden. Vor Gericht bat er alle um Entschuldigung, die er mit seinem Verhalten verletzt habe. Er empfinde Reue für das Leid von Miriam Haley, müsse aber an seiner Unschuld festhalten.
Haley sprach vor ihm. Die Tat habe ihr Leben und ihr Gefühl von Sicherheit verwüstet, sagte sie laut Agenturberichten. Für sie selbst sei das Ganze eine lebenslange Strafe. Durch die Verfahren sei sie zusätzlich traumatisiert worden, und oft habe sie ans Aufgeben gedacht.
Sechs Jahre Justiz-Marathon
Das Urteil ist der vorläufige Endpunkt eines juristischen Irrgartens. Ein Überblick:
- 2020: Eine Jury in New York spricht Weinstein schuldig, ihn wegen des Übergriffs auf Haley und der Vergewaltigung der angehenden Schauspielerin Jessica Mann. Das Strafmaß: 23 Jahre.
- 2024: Das höchste Gericht des Bundesstaats hebt die Urteile auf. Die Begründung: Die Aussagen weiterer Frauen, deren Vorwürfe gar nicht angeklagt waren, hätten Weinstein unfair benachteiligt.
- Juni 2025: Im neuen Prozess wird er im Fall Haley erneut verurteilt. Vom Vorwurf des Ex-Models Kaja Sokola wird er freigesprochen. Im Fall Mann kann sich die Jury nicht einigen.
- Mai 2026: Ein dritter Prozess im Fall Mann scheitert ebenfalls. Weil Mann kein viertes Mal aussagen wollte, lässt die Anklage diesen Vorwurf später fallen.
Ist das ein Triumph des Rechtsstaats oder ein Armutszeugnis? Wohl beides. Sorgfältige Verfahren sind ein hohes Gut, gerade bei einem so prominenten Angeklagten. Aber wer sechs Jahre auf ein belastbares Urteil warten muss, fragt sich zu Recht, ob die Justiz noch schnell genug arbeitet.
Vom Oscar-Gewinner zum Symbol eines Skandals
Weinstein hat das Studio Miramax mitgegründet und war lange einer der mächtigsten Männer der Filmbranche. Er stand hinter Erfolgen wie „Pulp Fiction“, „Shakespeare in Love“ und „Chocolat“. Im Jahr 2017 machten Frauen erstmals öffentlich Vorwürfe gegen ihn. Danach ging alles schnell: Er stürzte, und aus seinem Fall entstand die weltweite #MeToo-Bewegung.
Mehr als 100 Frauen, darunter bekannte Schauspielerinnen, haben ihm Medienberichten zufolge Fehlverhalten vorgeworfen. Weinstein weist das zurück. Für viele Beobachter hat der Fall vor allem gezeigt, wie abgeschottet eine Branche war, die sich gern als moralisches Vorbild der Welt sah. Jahrelang soll dort weggeschaut worden sein.
Auch in Kalifornien droht weiter Ärger
Mit New York ist die Sache nicht erledigt. In Kalifornien wurde Weinstein 2022 wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe zu 16 Jahren verurteilt. Laut Berichten hat ein Berufungsgericht diese Schuldsprüche im Juni bestätigt. Er muss aber neu bestraft werden, weil der Richter damals die inzwischen aufgehobenen New Yorker Urteile als strafverschärfend gewertet hatte.
Weinsteins Sprecher erklärte nach Medienberichten, es gebe noch ernsthafte rechtliche Fragen. Das Urteil werde in der Berufung überprüft. Rechtskräftig ist es also noch nicht. Doch schon jetzt gilt es als wahrscheinlich, dass der frühere Hollywood-König bis weit in seine Achtziger im Gefängnis bleibt.
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