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Feststoffbatterien und Silber: Wie viel Metall in einem Akku der nächsten Generation steckt

Ein Kilogramm Silber pro 100-Kilowattstunden-Akku: Diese eine Zahl treibt seit Monaten die Diskussion im Silbermarkt. Sie stammt nicht aus einer Prognose, sondern aus der Bauweise einer konkreten Zelle – der Feststoffbatterie von Samsung SDI mit ihrer dünnen Silber-Kohlenstoff-Schicht. Doch zwischen einer Spezifikation im Labor und einer Nachfrage, die eine Weltbilanz verschiebt, liegen Stückzahlen, Kosten und Materialalternativen. Dieser Beitrag rechnet die Mengen nach und stellt die Gegenargumente daneben.

Die Kennzahlen im Überblick

  • rund 5 Gramm Silber pro Zelle in der Samsung-SDI-Architektur, hochgerechnet etwa 1 kg je 100-kWh-Pack
  • 25 bis 50 Gramm Silber verbaut ein heutiges Elektroauto insgesamt – vor allem in Kontakten und Sensorik
  • 8 bis 12 Millionen Unzen beträgt die Silbernachfrage aus Batterien im Jahr 2026 nach Marktschätzungen
  • rund 46 Millionen Unzen Angebotsdefizit weist der World Silver Survey 2026 für dieses Jahr aus – das sechste Defizitjahr in Folge
  • 2027 ist das Zieljahr für erste Kleinserien bei Samsung SDI, CATL und BYD – die Großserie sehen die Hersteller eher nach 2030

Warum eine Batteriezelle plötzlich den Silbermarkt beschäftigt

Silber ist in der Autoindustrie kein neues Thema. In jedem Fahrzeug stecken Kontakte, Relais, Steckverbinder und Sensoren, in denen die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle den Ausschlag gibt. Nur: Die Mengen sind klein. Ein modernes Elektroauto kommt insgesamt auf etwa 25 bis 50 Gramm Silber – eine Größenordnung, die in der Weltbilanz kaum ins Gewicht fällt, weil sie sich über Millionen Fahrzeuge hinweg auf einen niedrigen zweistelligen Millionen-Unzen-Betrag summiert.

Die Feststoffbatterie verändert diese Rechnung im Prinzip grundlegend. Der Grund liegt in einer Bauform, die Samsung SDI seit einer 2020 in Nature Energy veröffentlichten Arbeit verfolgt: einer sogenannten anodenfreien Zelle. Statt einer dicken Graphitschicht sitzt auf dem Stromableiter nur eine wenige Mikrometer dünne Verbundschicht aus Silber und Kohlenstoff. Beim Laden scheidet sich das Lithium metallisch darauf ab, beim Entladen löst es sich wieder. Die Zelle wird dadurch kompakter, die Energiedichte steigt deutlich.

Damit wandert Silber vom Randbauteil in das Herz der Zelle – und die Menge skaliert nicht mehr mit der Zahl der Steckverbinder, sondern mit der Kapazität des Akkus. Genau deshalb ist die Debatte für den Silbermarkt so relevant. Und genau deshalb lohnt es sich, die zugrunde liegenden Zahlen einzeln zu prüfen, statt die Schlagzeile zu übernehmen.

Roboterarm in einer Reinraum-Pilotlinie hält eine flache Batteriezelle mit spiegelnder Oberfläche
Feststoffzellen entstehen bislang auf Pilotlinien in kleinen Stückzahlen – der Sprung in die Großserie ist der eigentliche Engpass.

Wie Silber in der Feststoffzelle arbeitet

Feststoffbatterien ersetzen den flüssigen Elektrolyten klassischer Lithium-Ionen-Zellen durch einen festen Ionenleiter, bei den führenden Entwicklern meist auf Sulfidbasis. Das erhöht die thermische Stabilität und erlaubt höhere Energiedichten. Es schafft aber ein altes Problem in neuer Form: Dendriten, also nadelförmige Lithiumauswüchse, die sich beim Laden bilden, den Festelektrolyten durchdringen und die Zelle kurzschließen können.

Die Silber-Kohlenstoff-Schicht als Keimbildner

Hier kommt das Silber ins Spiel. Es bildet mit Lithium eine reversible Legierung und wirkt als Keimbildungsschicht: Das Lithium lagert sich gleichmäßig und flächig ab, statt in Spitzen zu wachsen. Die Schicht ist dabei extrem dünn – in den veröffentlichten Prototypen liegt sie im Bereich von etwa fünf Mikrometern, also einem Zwanzigstel eines menschlichen Haares. Ihre Funktion ist trotzdem zentral, weil ohne sie die anodenfreie Bauweise nicht stabil zyklisierbar wäre.

Was die Prototypen leisten sollen

  • Energiedichte: In den kommunizierten Zielwerten liegt die Samsung-Zelle bei rund 900 Wattstunden je Liter, deutlich über heutigen Serienzellen.
  • Ladezeit: Angestrebt sind Ladevorgänge im Bereich weniger Minuten für den Großteil der Kapazität.
  • Sicherheit: Der feste Elektrolyt ist nicht brennbar, das thermische Durchgehen einer Zelle wird unwahrscheinlicher.
  • Lebensdauer: Die Hersteller nennen Zyklenzahlen im vierstelligen Bereich, die Serienreife dieser Werte steht aber noch aus.

Wichtig für die nüchterne Einordnung: Diese Werte stammen aus Prototypen und Pilotfertigung. Samsung SDI betreibt seit März 2023 im Forschungszentrum Suwon eine eigene Pilotlinie für Feststoffzellen und hat seit Oktober 2025 gemeinsam mit BMW und dem US-Entwickler Solid Power Zellen in Testfahrzeugen im Einsatz. Der Serienstart ist für 2027 angekündigt – zunächst für ein sehr kleines Premiumsegment.

Die Zahl im Zentrum: 1 Kilogramm pro 100-kWh-Pack

Die vielzitierte Kennzahl entsteht aus einer einfachen Multiplikation. Nach den Angaben, die zur Samsung-Architektur kursieren, enthält eine Zelle rund fünf Gramm Silber. Ein Fahrzeugakku mit etwa 100 Kilowattstunden besteht aus einer entsprechenden Zahl solcher Zellen – in Summe ergibt das grob ein Kilogramm Silber pro Fahrzeug, also rund 32 Feinunzen.

Verglichen mit den 25 bis 50 Gramm eines heutigen Elektroautos ist das ein Faktor von etwa 20 bis 40. Diese Relation ist der eigentliche Kern der These – und sie ist, solange die Bauweise so bleibt, keine Prognose, sondern eine Konstruktionsvorgabe.

Silberintensität je Fahrzeug im Vergleich (Größenordnungen)
Fahrzeug- bzw. ZelltypSilber je Fahrzeugin Feinunzen
Verbrenner (Kontakte, Sensorik)ca. 15–25 g0,5–0,8 oz
Elektroauto mit Lithium-Ionen-Akkuca. 25–50 g (Schätzungen teils bis 70 g)0,8–1,6 oz
Feststoffakku, 75 kWh (Ag-C-Anode)ca. 750 gca. 24 oz
Feststoffakku, 100 kWh (Ag-C-Anode)ca. 1.000 gca. 32 oz

Zwei Einschränkungen gehören sofort dazu. Erstens ist die exakte Silberbeladung der Serienzelle bislang nicht vom Hersteller bestätigt worden – die kursierenden fünf Gramm je Zelle sind eine Marktschätzung auf Basis der Prototypenbeschreibungen. Zweitens ist der 100-kWh-Akku nicht der Normalfall: Der Durchschnitt der weltweit verkauften Elektroautos liegt eher bei 60 bis 75 Kilowattstunden. Wer mit einem Kilogramm je Fahrzeug rechnet, rechnet also bereits am oberen Rand.

Die Mengenrechnung bis 2030

Interessant wird es, wenn man die Materialintensität mit realistischen Stückzahlen multipliziert. Ausgangspunkt: Prognosen sehen die weltweite Elektroauto-Produktion gegen Ende des Jahrzehnts in der Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Einheiten pro Jahr. Entscheidend ist die Durchdringungsrate der Feststofftechnologie – und die wird durch Fertigungskapazität begrenzt, nicht durch Nachfrage.

Zusätzliche Silbernachfrage bei 20 Millionen E-Autos jährlich und 0,75 kg Silber je Pack
Anteil FeststoffakkusFahrzeugeSilberbedarfin Mio. UnzenAnteil an Minenproduktion
1 %200.000150 tca. 4,8ca. 0,6 %
3 %600.000450 tca. 14,5ca. 1,7 %
5 %1,0 Mio.750 tca. 24,1ca. 2,9 %
10 %2,0 Mio.1.500 tca. 48,2ca. 5,7 %
20 %4,0 Mio.3.000 tca. 96,5ca. 11,4 %

Zum Vergleich: Die globale Minenproduktion lag 2025 bei rund 847 Millionen Unzen und bewegt sich seit einem Jahrzehnt in einem engen Band; für 2026 erwarten die Marktbeobachter eine weitgehend unveränderte Fördermenge. Das Angebotsdefizit 2026 wird auf etwa 46 Millionen Unzen veranschlagt. Schon bei einer Durchdringung von fünf Prozent käme also eine Nachfragegröße hinzu, die etwa der Hälfte dieses Defizits entspricht – ohne dass auf der Angebotsseite etwas passiert wäre.

Bei zehn Prozent Durchdringung entstünde eine zusätzliche Jahresnachfrage von rund 1.500 Tonnen – das ist ungefähr die gesamte Jahresförderung eines großen Silberlandes wie Polen oder Chile. Das ist die Rechnung, die den Markt beschäftigt. Sie ist mathematisch korrekt – ihre Schwachstelle liegt woanders.

Feines Silbergranulat auf einer Präzisionswaage im dunklen Laborlicht
Aus Gramm werden Tonnen: Ob die Feststoffbatterie den Silbermarkt bewegt, entscheidet sich nicht an der Zelle, sondern an den Stückzahlen.

Die Gegenargumente: Warum die Rechnung wackelt

Wer eine Investitionsentscheidung an eine Nachfragestory hängt, sollte die Gegenseite kennen. Bei der Feststoffbatterie gibt es davon vier ernstzunehmende Varianten.

1. Die Zeitpläne sind Absichtserklärungen

2027 ist das Jahr, das Samsung SDI, CATL, BYD und Toyota gleichermaßen nennen. Es ist aber kein Massenmarktjahr. CATL ordnet den eigenen technischen Reifegrad auf der neunstufigen Skala bei etwa Stufe vier ein – also Laborvalidierung und Prototypenbau – und spricht für 2027 ausdrücklich von einer Kleinserie. Bei BYD ist 2027 der Beginn von Demonstrationseinsätzen, die eigentliche Volumenfertigung sieht das Unternehmen zwischen 2030 und 2032. Wer Nachfrage für 2028 modelliert, modelliert also Fahrzeugzahlen, die es in Serie noch nicht gibt.

2. Nicht jede Feststoffzelle enthält Silber

Die Silber-Kohlenstoff-Anode ist Samsungs Weg, nicht der Weg der gesamten Branche. Das CATL-Patent, das die WIPO am 5. März 2026 veröffentlicht hat, dreht sich um die positive Elektrode und um ein fluorhaltiges Lithiumsalz, das die bekannte Instabilität von Sulfid-Elektrolyten dämpfen soll – von einer silberhaltigen Anode ist dort keine Rede. Aufschlussreicher als das Patent ist ohnehin eine Beschaffungsmeldung: CATL hat sich für die Jahre 2026 bis 2028 Kupferfolie im Umfang von rund 626.000 Tonnen gesichert. Das Mengenmetall der chinesischen Feststoffpläne ist damit Kupfer, nicht Silber. Toyota wiederum setzt auf oxidbasierte Zellen. In der Forschung werden für die Keimbildungsschicht zudem kupfer-, zink- und zinnbasierte Ansätze erprobt. Die Silberintensität ist folglich keine Eigenschaft der Technologie, sondern die Eigenschaft einer Architektur.

3. Thrifting ist bei diesem Preis fast garantiert

Ein Kilogramm Silber entspricht bei den Notierungen des Jahres 2026 einem Materialwert im vierstelligen Eurobereich – pro Fahrzeug. Für einen Automobilhersteller, der um jeden Euro Stücklistenkosten kämpft, ist das eine der ersten Positionen auf der Sparliste. Zumal die Kostenlage der Technologie ohnehin angespannt ist: CATL bezifferte sulfidbasierte Feststoffzellen zuletzt als drei- bis fünfmal teurer als herkömmliche Lithium-Ionen-Zellen. Wie schnell eine Industrie unter solchem Druck Silber herausrechnet, zeigt die Photovoltaik gerade in Echtzeit – dort sinkt der Silberbedarf 2026 um rund 19 Prozent, ganz überwiegend durch dünnere Schichten je Zelle. Wie dieses Muster funktioniert, haben wir im Beitrag zu Thrifting und Kupfer-Substitution in der Solarzelle ausführlich beschrieben. Bei einer Fünf-Mikrometer-Schicht ist der Weg zu drei oder zwei Mikrometern technisch naheliegend – und würde die Materialrechnung um 40 bis 60 Prozent kürzen.

4. Silber ist teuer, aber ersetzbar – irgendwann

Silber lässt sich in vielen Anwendungen nicht gleichwertig ersetzen, weil kein anderes Metall die Kombination aus Leitfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Verarbeitbarkeit bietet. In der Batterieanode ist die Anforderung aber enger definiert: Es geht um gleichmäßige Lithiumabscheidung. Für diese Funktion gibt es mehr Kandidaten als für eine Solarzellen-Metallisierung. Steigt der Silberpreis stark, steigt auch der Forschungsdruck auf Alternativen.

Ein Kilogramm Silber neben Granulat und dünnen Elektrodenfolien auf dunklem Schiefer
Ein Kilogramm Silber je Fahrzeug klingt nach wenig – hochgerechnet auf Millionen Einheiten wird daraus ein Bilanzposten.

Was 2026 tatsächlich in der Bilanz steht

Die nüchternste Zahl der gesamten Debatte ist zugleich die unspektakulärste: Die Silbernachfrage aus Batterieanwendungen liegt 2026 nach Marktschätzungen bei rund 8 bis 12 Millionen Unzen. Zum Vergleich – so ordnen sich die Blöcke im World Silver Survey 2026, den das Silver Institute gemeinsam mit Metals Focus im April 2026 veröffentlicht hat:

  • Industrielle Verarbeitung gesamt: rund 650 Millionen Unzen und damit ein Vier-Jahres-Tief – die Industrienachfrage sinkt 2026, sie steigt nicht
  • Photovoltaik: nach 186,6 Millionen Unzen im Jahr 2025 werden für 2026 nur noch etwa 151 Millionen Unzen erwartet – ein Rückgang um rund 19 Prozent und der stärkste je verzeichnete Einbruch dieses Segments
  • Batterien inklusive Feststofftechnologie: rund 8 bis 12 Millionen Unzen, also etwa ein bis zwei Prozent der industriellen Nachfrage
  • Physische Investmentnachfrage: ein Anstieg um rund 20 Prozent auf etwa 227 Millionen Unzen, den höchsten Stand seit drei Jahren

Batterien sind damit heute eine Fußnote, keine Säule. Und die Ursache des Defizits ist eine andere, als die gängige Erzählung nahelegt: Für 2026 erwartet der World Silver Survey eine Angebotslücke von rund 46 Millionen Unzen nach 40 Millionen Unzen im Vorjahr – das sechste Defizitjahr in Folge. Das Defizit weitet sich aus, obwohl die Solarnachfrage massiv einbricht. Getragen wird es davon, dass das Gesamtangebot 2026 leicht schrumpft und die Investmentnachfrage kräftig zulegt. Seit 2021 hat der Markt auf diese Weise kumuliert rund 762 Millionen Unzen aus oberirdischen Beständen gezogen. Die Details dieser Bilanz haben wir in der Analyse zum Angebotsdefizit im Silbermarkt 2026 aufgeschlüsselt, die industriellen Treiber im Überblick finden Sie unter industrielle Silbernachfrage aus Photovoltaik und Elektronik.

Für die Feststoffbatterie-These ist dieser Befund unbequem und aufschlussreich zugleich: Der Rückgang in der Photovoltaik geht laut Metals Focus fast vollständig auf Thrifting zurück, also auf dünnere Silberschichten je Zelle – nicht auf einen Ersatz des Metalls. Genau dieser Mechanismus ist es, der auch der Batterierechnung gefährlich werden kann.

Der Unterschied zwischen Story und Bilanz

Die Feststoffbatterie ist derzeit die am intensivsten erzählte Nachfragegeschichte des Silbermarktes. Solche Geschichten wirken auf Preise, bevor sie in den Verbrauchsstatistiken auftauchen – das ist eine Erfahrung, die Rohstoffmärkte immer wieder machen. Für die Einordnung hilft eine einfache Trennung:

  1. Was ist Spezifikation? Die Silber-Kohlenstoff-Anode und ihre Materialintensität sind dokumentiert. Das ist belastbar.
  2. Was ist Absichtserklärung? Serienstart 2027, Volumen ab 2030 – das sind Unternehmensziele, die sich in der Batteriebranche historisch häufig verschoben haben.
  3. Was ist Extrapolation? Jede Rechnung mit 20 Prozent Marktanteil im Jahr 2030 ist ein Szenario, kein Datenpunkt.

Für den physischen Silbermarkt bleibt festzuhalten: Der strukturelle Angebotsengpass existiert bereits ohne Feststoffbatterien. Rund 70 Prozent des geförderten Silbers fallen als Nebenprodukt der Kupfer-, Blei- und Zinkgewinnung an. Das Angebot reagiert deshalb kaum auf den Silberpreis – ein höherer Preis führt nicht automatisch zu mehr Förderung. Kommt die Batterienachfrage in nennenswertem Umfang hinzu, trifft sie auf ein Angebot, das sich nicht schnell anpassen kann. Das ist der eigentliche Punkt, nicht die Schlagzeile vom Kilogramm im Kofferraum.

Einordnung für die eigene Anlageentscheidung

Wer physisches Silber hält oder aufbauen möchte, sollte die Feststoffbatterie als das behandeln, was sie ist: eine mögliche Verstärkung eines bereits bestehenden Trends, nicht als dessen Ursache. Einige Punkte, die in der Praxis relevant sind:

  • Zeithorizont: Selbst im optimistischen Fall entsteht die Batterienachfrage in nennenswerter Größe erst gegen Ende des Jahrzehnts. Wer auf einen kurzfristigen Effekt setzt, setzt auf Erwartungsbildung, nicht auf Verbrauch.
  • Diversifikation: Eine einzelne Technologiestory sollte kein Portfolio tragen. Industrielle Silbernachfrage ist breit – Solar, Elektronik, Medizintechnik, Katalysatoren.
  • Form der Anlage: Für größere Positionen sind Kilobarren in der Regel die kosteneffizienteste Variante, während Anlagemünzen in kleineren Stückelungen flexibler teilverkäuflich sind. Einen Überblick über beide Wege bietet die Kategorie Silber.
  • Lagerung und Versicherung: Silber benötigt aufgrund des niedrigeren Wertes je Volumeneinheit deutlich mehr Platz als Gold – ein praktischer Faktor, der bei größeren Beständen mitgeplant werden sollte.

Kettner Edelmetalle prüft alle gehandelten Barren und Münzen nach ISO-konformen Verfahren auf Echtheit; der Versand erfolgt vollständig versichert. Welche Stückelung sinnvoll ist, hängt vom Anlagehorizont ab – eine pauschal richtige Antwort gibt es nicht.

Häufige Fragen zu Silber in Feststoffbatterien

Wie viel Silber steckt tatsächlich in einer Feststoffbatterie?

Für die Architektur von Samsung SDI kursiert eine Angabe von rund fünf Gramm Silber je Zelle, was bei einem 100-kWh-Fahrzeugakku etwa einem Kilogramm entspricht. Diese Zahl ist eine Marktschätzung auf Basis der Prototypenbeschreibungen und vom Hersteller nicht offiziell bestätigt. Bei kleineren Akkus von 60 bis 75 Kilowattstunden liegt der Wert entsprechend niedriger.

Warum wird überhaupt Silber in der Anode eingesetzt?

Silber bildet mit Lithium eine reversible Legierung und sorgt als dünne Keimbildungsschicht dafür, dass sich Lithium beim Laden gleichmäßig abscheidet. Damit werden Dendriten unterdrückt – nadelförmige Auswüchse, die den Festelektrolyten durchdringen und die Zelle beschädigen können. Erst dadurch wird die kompakte anodenfreie Bauweise praktikabel.

Ab wann kommen Feststoffbatterien in Serienfahrzeuge?

Samsung SDI, CATL, BYD und Toyota nennen übereinstimmend 2027 als Zieljahr für erste Kleinserien beziehungsweise Demonstrationsfahrzeuge. Für die Volumenfertigung verweisen die Hersteller selbst auf den Zeitraum ab 2030. Vollständig feste Zellen befinden sich Stand 2026 überwiegend noch in Pilotfertigung.

Wie groß ist die Batterienachfrage nach Silber heute?

Nach Marktschätzungen liegt sie 2026 bei etwa 8 bis 12 Millionen Unzen. Das entspricht rund ein bis zwei Prozent der industriellen Silbernachfrage von etwa 650 Millionen Unzen. Zum Vergleich: Die Photovoltaik kommt 2026 auf rund 151 Millionen Unzen – trotz des Rückgangs gegenüber dem Vorjahr immer noch der mit Abstand größte industrielle Einzelposten.

Kann Silber in der Batterie durch günstigere Metalle ersetzt werden?

Grundsätzlich ja. Die Funktion der Keimbildungsschicht lässt sich prinzipiell auch mit anderen Metallen erfüllen, in der Forschung werden unter anderem kupfer-, zink- und zinnbasierte Ansätze untersucht. Zudem können Hersteller die Schichtdicke reduzieren – dieses sogenannte Thrifting ist in der Photovoltaik seit Jahren gängige Praxis und dürfte auch in der Batteriefertigung ein Thema werden.

Verwenden alle Hersteller von Feststoffbatterien Silber?

Nein. Die Silber-Kohlenstoff-Anode ist der Weg von Samsung SDI. Toyota entwickelt oxidbasierte Zellen, und bei CATL deutet die Beschaffung auf ein anderes Mengenmetall hin: Der Konzern hat sich für die Jahre 2026 bis 2028 rund 626.000 Tonnen Kupferfolie gesichert. Die Silberintensität ist damit eine Eigenschaft bestimmter Zellarchitekturen und nicht der Technologie insgesamt.

Ist das Silberdefizit 2026 auf Feststoffbatterien zurückzuführen?

Nein. Der World Silver Survey 2026 beziffert die Angebotslücke auf rund 46 Millionen Unzen nach 40 Millionen Unzen im Jahr 2025. Sie entsteht vor allem dadurch, dass das Angebot schrumpft und die physische Investmentnachfrage kräftig zulegt – während die Industrienachfrage sogar rückläufig ist. Batterien tragen mit 8 bis 12 Millionen Unzen bislang nur einen sehr kleinen Anteil bei.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Angaben zu Technologie-Zeitplänen beruhen auf Herstellerankündigungen und Fachberichterstattung. Angaben zur Marktbilanz stützen sich auf den World Silver Survey 2026 des Silver Institute und von Metals Focus (veröffentlicht am 15. April 2026); Prognosewerte für 2026 sind Schätzungen und keine feststehenden Größen. Stand: August 2026.

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